"Das Traumschiff – Lappland": 90 Minuten Ablenkung von der Nebenkostenabrechnung

„Kann der was?“, erkundigt sich ein Passagier am Sonntagabend über „Traumschiff“-Kapitän Max Parger alias Florian Silbereisen und knapp 90 Minuten später weiß man: Natürlich kann der was. Ein Schiff nach Lappland fahren, zum Beispiel. Oder zwei Freunde aus der Wildnis retten. Viel wichtiger aber: Den Zuschauer für eineinhalb Stunden aus dem Alltag entführen. Da kann man bei den Geschichten dann auch mal Fünfe gerade sein lassen.

  • Eine KritikvonChristian Vock

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    Gaspreisbremse, Strompreisbremse, Dezemberabschlag, Einmalzahlung – die Bundesregierung nutzt gerade viele Instrumente, um die Sorgen der Bürger zu lindern. Ein Instrument hat die Ampel-Koalition aber nicht zur Verfügung: „Das Traumschiff“. Das hilft zwar nicht, wenn die Nebenkostenabrechnung kommt, aber es wurde seinerzeit erfunden, damit man gerade in schwierigen Zeiten zumindest 90 Minuten lang glauben kann, es sei alles in Ordnung. Eine Sorgenbremse, wenn man so will.

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    Der, der seit drei Jahren die Hand an dieser Bremse hat, ist Max Parger alias Florian Silbereisen und auch in der neuesten Folge vom Sonntagabend, zieht Parger kräftig an der Bremse. Er muss es diesmal sogar noch ein bisschen kräftiger tun, denn diesmal steht ihm sein gewohntes Sorgenfrei-Hilfsmittel nicht zur Verfügung: die Landschaft. Zumindest nicht so, wie es sich „Traumschiff“-Erfinder Wolfgang Rademann seinerzeit gedacht hat.

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    Im Winter brauche man „eine Sendung, wo man einfach in diesen trüben Tagen, bei dieser ollen Soße von Nebel und Wolken und Regen, dass man einfach Palmen, Sonne, blaues Meer – all das, was das Herz erfreut im Winter, den Zuschauern bringt“, soll der Filmemacher mal gesagt haben und die Anzahl der Palmen ist in Lappland tatsächlich überschaubar und das nicht nur zu dieser Jahreszeit. Aber genau dahin macht sich das „Traumschiff“ am Sonntag auf den Weg und so muss Parger die üblichen Sorgen und Probleme eben ohne Palmen, Sonne und blaues Meer lösen.

    Zum Beispiel seine eigenen. „Käpt’n, es gibt ein Problem mit zwei Passagieren“, informiert Staff-Kapitän Martin Grimm (Daniel Morgenroth) Kapitän Parger kurz vorm Auslaufen, dass zwei Herren ihn wegen einer Sache um „Leben und Tod“ unbedingt sprechen wollen. „Dann lösen sie es!“, antwortet Parger untypisch, schließlich sitzt ja traditionell er an der Sorgenbremse. Doch als er hört, dass ein Pfarrer unter den Herren ist, ändert er seine Meinung: „Nee, nee Moment, ich kümmer mich selbst drum.“

    Das ist deshalb notwendig, weil die beiden Männer, Motivationstrainer Patrick (Daniel Fritz) und Priester Maik (Tayfun Baydar), alte Schulfreunde Pargers sind und da sieht das Drehbuch eben Probleme vor, die nur Parger persönlich gelöst haben wird können. Gelegenheit dazu hat er auf einer Hundeschlittenfahrt, welche die Outdoor-Überlebensfähigkeiten Pargers und die Freundschaft zwischen Maik und Patrick auf die Probe stellen wird.

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    Ebenfalls selbst gemachte Probleme, nur ganz andere, haben Servicekraft Caroline Jensen (Mersiha Husagic) und Restaurantleiter Ben Streubing (Ferdinand Seebacher). Das frisch verliebte Paar macht in Lappland einen Landgang und dort eröffnet Ben seiner Liebsten, dass er hier gerne ein Restaurant eröffnen würde. Doch Caroline kann die Begeisterung ihres Freundes nicht vollumfänglich teilen.

    Und dann ist da noch die Sache mit der Gala, deren Organisation Staff-Kapitän Grimm übernehmen soll, weil Kreuzfahrtdirektor Schifferle immer noch krank ist und weder Schiffsärztin (!) noch Kapitän (!!) die Party stemmen wollen. Da sich diese Nebenstory aber selbst für „Traumschiff“-Verhältnisse derart im roten „Was zum Geier?“-Bereich abspielt, sei an dieser Stelle nur darauf hingewiesen.

    Mit echten Problemen bekommt es hingegen Schiffsärztin Jessica Delgado (Collien Ulmen-Fernandes) zu tun. Denn an Bord sind auch Katja Fehling (Lara Joy Körner) und ihre 16-jährige Tochter Lisa (Johanna Hens). Mutter Katja kümmert sich aufopferungsvoll, man könnte auch überbehütend sagen, um ihre Tochter, denn die ist schwer krank. Als die mysteriöse Krankheit an Bord sogar noch schlimmer wird und Delgado einen Blick auf Lisas Medikamenten-Liste wirft, begeben sich Hoteldirektorin Hanna Liebhold (Barbara Wussow) und Schiffsärztin Delgado auf Spurensuche.

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      Auch die Lappland-Folge ist also wieder der gewohnte „Traumschiff“-Mix aus hanebüchenen und nicht ganz so hanebüchenen Geschichten und Geschichtchen, die Max Parger und seiner Crew wieder reichlich Gelegenheit geben, an der Sorgenbremse zu nesteln. Das ist zwar bisweilen reichlich absurd, etwa als Patrick und Maik auf einer einspurigen (!) Schneebahn ein Hundeschlittenrennen machen – was nicht nur im Rahmen der Geschichte Unfug ist.

      Immerhin gönnt man sich auch den einen oder anderen witzigen Einfall, etwa, wenn man Social-Media-Sucht einmal zwischen Erwachsenen und Teenagern umdreht. Oder, als man für die Rolle der Servicekraft Tobias, die Kapitän Grimm bei der Gala aushelfen soll, Sänger Sasha gewonnen hat – der aber eigentlich „nur unter der Dusche“ singt. Und als Hundeschlittenverleiherin macht sich die ehemalige Skirennfahrerin Maria Höfl-Riesch auch nicht schlecht.

      Die Rollen der obligatorischen, prominenten „Traumschiff“-Quereinsteiger sind also diesmal nicht vollkommen wahllos besetzt. Und auch, wenn der Sand hier Schnee und die Palmen Kiefern heißen, kann auch die nordische Landschaft „das Herz erfreuen“, so wie es Wolfgang Rademann seinerzeit wollte. Ja, das hilft auch nicht gegen die Nebenkostenabrechnung, aber in Krisenzeiten wie diesen kann man auch mal Fünfe gerade sein lassen und nehmen, was hilft. Und wenn es nur für 90 Minuten ist.

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