Die Monacensia würdigt Erika Mann

„Wer immer lügt, dem wird man glauben“ – die Erika Mann-Ausstellung in der Monacensia im Hildebrandthaus

Das Literaturarchiv Münchens im Bogenhausener Hildebrandhaus, erfindet sich schon eine gute Weile neu. Dabei spielen die Nachlässe von Erika und Klaus Mann, der beiden ältesten Kinder des Nobelpreisträgers Thomas Mann, eine besondere Rolle. Als Schenkung der Familie 1972 (Klaus) und 1976 (Erika) ins Haus gekommen, erfreuen sie sich einer regen Nutzung, die auch online möglich ist.

Aus Anlass des 50. Todestags von Erika Mann im August wurde nun eine Programmausstellung konzipiert, die ebenfalls neue Wege geht. Erika Mann ist hier nicht mehr nur „die Tochter“ Thomas Manns oder „die Schwester“ des literarisch produktiveren Klaus Mann (dessen 70. Todestag im Mai 2019 beinahe in Vergessenheit geraten ist). Vielmehr wird sie mit den drei Themen vorgestellt, die ihr Leben zwischen 1933 und 1945 bestimmt haben: das Kabarett, die Reportage und der politische Appell. Erstaunlich daran ist, dass vieles von dem, was Erika Mann thematisiert, sich gerade heute als erstaunlich aktuell erweist.

Glaube an moralische Ideale

So Erika Manns 1943 formuliertes „Prinzip“, ihr hartnäckiger Glaube an einige grundlegende moralische Ideale – Wahrheit, Ehre, Anstand, Freiheit, Toleranz. Warum sind solche Tugenden heutzutage immer weniger gefragt? Warum erinnert der Appell „Beteiligt Euch, – es geht um Eure Erde!“ uns heute an Greta Thunberg? Die Kuratorin der Ausstellung, die Philologin Irmela von der Lühe und das junge, überwiegend weibliche Team der Monacensia stellen sich einer anspruchsvollen Aufgabe: Erika Manns Wirken auf den springenden Punkt zu bringen.

Als erste weibliche Gründerin und Leiterin eines politischen Kabaretts begann Erika Mann mit der „Pfeffermühle“ im Januar 1933 in der Bonbonnière am Münchner Platzl. Sie musste nach der Machtergreifung Hitlers mit dem Ensemble in die Schweiz emigrieren und setzte ihren kabarettistischen Kampf gegen Hitler in verschiedenen europäischen Ländern bis in die USA fort, wo die „Peppermill“ 1936 im Misserfolg endete: Das Publikum fand keinen Bezug zu den Liedern und Sketchen der Emigranten.

Kabarettistin wird aber auch eine Erika Mann nicht einfach so. Voraussetzung war ein großes schauspielerisches Talent, das sie schon als Kind und Jugendliche zeigte. Ihre Spezialität war das Lügen, wie sie selbst in einem Rundfunkgespräch 1968 bekannt hat. Sie habe als Siebenjährige so sehr gelogen, dass ihr Vater sie zur Seite nahm und ihr eindringlich ins Gewissen redete: „Stell Dir bitte einmal vor, was passieren würde, wenn wir alle immerzu lögen. Wir könnten uns ja gegenseitig gar nichts mehr glauben, wir würden uns gegenseitig überhaupt nicht mehr zuhören, weil es ja viel zu langweilig wäre und es wäre gar kein Leben.“

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