Ein Musical feiert Berlin als Sündenbabylon

Das Jahr 2020 startet glamourös mit einer neuen Revue über die Goldenen Zwanziger: „Berlin Berlin“ entführt im Deutschen Theater in den brodelnden Kosmos der Roaring Twenties

Berlin in den 20er Jahren: die drittgrößte Stadt der Welt, Sündenpfuhl und glitzernder Magnet, der Menschen aus der ganzen Welt anlockt. Eine Stadt, die nach der Katastrophe des Krieges, nach Inflation und politischem Chaos wie Phönix aus der Asche gestiegen war und in der kurzen Zwischenzeit vor der noch größeren Katastrophe auf dem Vulkan tanzte. In Berlin gab es 150 Tageszeitungen, 130 Vergnügungstempel und 130 000 Prostituierte: eine Explosion an künstlerischer Kreativität und sexueller Freizügigkeit.

Parallelen zu unserer Gegenwart? 

Kein Wunder, dass diese Kurz-Ära en vogue ist, die Krimis von Volker Kutscher Bestseller und die „Babylon Berlin“-Serie ein großer Erfolg. Vielleicht auch, weil sich jetzt, 100 Jahre danach, Parallelen ziehen lassen zwischen dieser Zeit und unserer unruhigen, hysterischen Gegenwart.

Die Boygroup Comedian Harmonists

Mit „Berlin Berlin“ kommt die erste deutsche Show über diese Auf- und Umbruchszeit auf die Bühne. Sie lässt ihr Lebensgefühl und ihre Ikonen wieder auferstehen: den ersten deutschen Weltstar Marlene Dietrich, die damals noch unbekannte Komparsin, die über die Bühnen vom Ku’damm tingelt, die erste Boygroup, die Comedian Harmonists, die anfangs Vergnügungssteuer entrichteten, bis sie mit ihrem Auftritt in der Philharmonie als Kunst galten.

Josefine Baler geht mit Geparden im Tiergarten spazieren

Man begegnet dem jungen Bertolt Brecht und der Femme Fatale Anita Berber – und ihrer Konkurrentin, der exzentrischen Josephine Baker, die sich mit einer von einem Vogelstrauß gezogenen Kutsche durch Berlin fahren lässt oder mit ihrem Leoparden Chicita durch den Tiergarten spaziert. Alle treffen sich auf einer der skandalträchtigen After Show Partys bei Max Reinhardt. In München war Bakers Show „La Revue Nègre“ als sittenwidrig verboten. In Berlin feierte sie Triumphe.

Die Revue „Berlin Berlin“ ist vom 7. bis 19. Januar im Deutschen Theater. Sie entblättert das Bild einer Epoche in einem Reigen von Anekdoten und natürlich mit viel Musik. Den Kompositionen von Friedrich Hollaender, Kurt Weill und Irving Berlin. Mit Swing, Charleston und Jazz, der damals das Lebensgefühl umkrempelte bis er von den Nazis verboten wurde.

Quelle: Lesen Sie Vollen Artikel