‘Eine Frau mit berauschenden Talenten’ in der Kino-Kritik: Hasch, Geld und Chuzpe

Nein, ihre Maske ist nicht corona-bedingt, sondern dem Einsatz geschuldet: Denn Patience Portefeux st�rmt mit einer Pariser Antidrogeneinheit eine Gro�dealerwohnung. Sp�ter im Film wird sie f�r einen privaten Coup kurz die Seite wechseln. Da tr�gt sie ein Designer-Kopftuch, um arabischen Dealern eine Ladung Marihuana anzudrehen.

Isabelle Huppert im Film: umwerfend cool und unterk�hlt witzig

Dass sie so wendig zwischen diesen Milieus wechseln kann, liegt an einem K�nnen: Patience spricht flie�end Arabisch und ist Dolmetscherin der Polizei. Isabelle Huppert spielt diese Frau umwerfend cool, immer energetisch und manchmal unterk�hlt witzig – also mit ihren titelgebenden “berauschenden Talenten”.

Ihr Chef (Hippolyte Girardot) ist in diese starke Frau verliebt, l�sst sich deshalb auch anfangs t�uschen, wenn sie einen alten Polizeihund aus dem Tierheim holt – angeblich aus Tierliebe, was man dieser distanzierten, sehr unabh�ngigen Frau aber nicht glauben kann. Und als er sie dann doch klar erkennt, und ein Katz- und Mausspiel beginnt, kann er auch mal sein legales Auge zudr�cken.

Es gibt viele Filme, in denen der Zuschauer mit dem Gauner oder der Gaunerin sympathisiert, vor allem, wenn er die kriminelle Perspektive �bernimmt. Patience spielt ihr Doppelspiel, weil sie Geld braucht, um ihrer Mutter das Altenheim weiter zu finanzieren.

“Eine Frau mit berauschenden Talenten”: Subtil und sozialkritisch

Aber der Film spielt auch hier nicht die sentimentale Karte aus, denn die Mutter ist nicht der Typ der mitleiderregenden Alten. Weil ihre Pflegerin eine schlecht bezahlte Migrantin ist, hat der Film auch noch einen subtil sozialkritischen Aspekt. Und das arabische Drogenmilieu wird hier nicht als hochgeputschtes Feindbild gezeigt, sondern als Normalit�t – die es aber nat�rlich zu bek�mpfen gilt.

All das verwischt Klischees und �berrascht. Der Film von Jean-Paul Salom� ist aber vor allem auch kitzlig, weil in dieser Tragikom�die diese Patience Portefeux – typisch f�r Huppert-Rollen – keine Sympathietr�gerin ist. Daf�r ist sie zu zynisch, egoistisch. Doch schauen wir ihr in ihrer Schlagfertigkeit und Raffinesse so gerne zu, dass wir ihr gutes Gelingen w�nschen.

Und hier schimmert eine weiter Eleganz des Filmes mit seinen vielen Krimi-Elementen durch: Er erkl�rt genug, l�sst aber immer noch andere Ebenen durchscheinen, die sich zwar nach und nach enth�llen, aber nie ganz ihr Geheimnis verlieren. Denn dazu ist der menschliche Charakter einfach zu schillernd. Besonders der von Isabelle Huppert.

Kino: ABC, Cinemaxx, City, Solln, Rottmann sowie Monopol (auch OmU) und Theatiner (OmU), Buch und Regie: Jean-Paul Salom� (F, 106 Min.)

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