Emils erfolgreicher Kampf gegen den Krebs

Für die Ärzte, die ihn behandeln, ist Emil Kessler (82) ein medizinisches Wunder.

„Der Oberarzt sagtevor Kurzem zu mir: ,Das versteht keiner, dass Sie noch am Leben sind. Dasverdanken Sie vermutlich Ihrer lebensbejahenden Einstellung und demHerrgott.‘“ Emil lächeltversonnen und zündet eine Kerze an „für meine verstorbene Frau und für mich“.Er sei das ganze Leben hindurch ein Kämpfer gewesen, sagt er dann plötzlich indie Stille hinein. „Ich mag nicht aufgeben. Aufgeben ist schlecht. Man musskämpfen“, findet der Familienvater. Es gab einige Situationen in seinem Leben,in denen er die Flinte ins Korn werfen hätte können, zum Beispiel als sein SohnRoland im Jahr 1990 24-jährig auf der Straße umkam. Oder als seine FrauWaltraud, mit der er 50 Jahre durchs Leben gegangen war, im vergangenen Jahrstarb.  „Aber durch meinen Lebensmut schaffte ich es, mich selbst aus demLoch herauszuholen.“

Ein Stehaufmännchen

Jene, die ihn undsein Leben kennen, behaupten, dass er ein Stehaufmännchen ist. Ein Überlebenderist er in jedem Fall. Im Jahr 2002 erkrankte Emil anProstatakrebs. Der Montafoner unterzog sich einer OP und einerStrahlentherapie. Danach schien die Krankheit bezwungen. Aber zehn Jahre späterkam der Krebs wieder. Mit Medikamenten und Bestrahlungen gelang es, ihn unterKontrolle zu bringen. Im Jahr 2017 dann aber der nächste Schlag. „Ich hatte einseltsames Gefühl im Magen.“ Nach einer MRT-Untersuchung im Juni war klar,dass Emil anBauchspeicheldrüsenkrebs leidet. „Man teilte mir mit, dass ich einen sechsZentimeter großen Tumor in meinem Bauch habe und man diesen nicht operieren kann,weil er so groß ist.“ Die Diagnose schockierte den pensioniertenElektrotechniker. „Ich fragte den Arzt, wie viel Lebenszeit ich noch hätte. Ersagte, dass ich, wenn ich Glück hätte, vielleicht Weihnachten noch erlebe.“ DerVater von vier Kindern dachte ans Sterben und weinte, zusammen mit seiner Frau.

Aber er verfiel wederin Agonie noch steckte er den Kopf in den Sand. „Ich informierte mich über dieKrankheit und versuchte alles, um zu überleben.“ Der krebskranke Mann unterzogsich in den folgenden Jahren zahlreichen Chemo- und Strahlentherapien. Währendseines Überlebenskampfes beschritt er auch ungewöhnliche Wege. So schwört Emil auf seine Methadon-Tropfen, die ertäglich einnimmt. „Eine Medizinerin aus Ulm erzielte damit Erfolge.“ Zuletztunterzog er sich vor zwei Jahren einer Chemotherapie. Die Ärzte hatten damalseine gute Nachricht für ihn. „Sie sagten mir, dass der Tumor kleiner gewordenist.“ Eine Untersuchung heuer im Frühling ergab, dass das Gewächs nichtgewachsen ist und auch nicht gestreut hat. Emil istunendlich dankbar, „dass ich noch lebe, dass der Krebs stehengeblieben ist undich überhaupt keine Beschwerden habe“. Er schaut auf die brennende Kerze undfaltet aus Dankbarkeit die Hände. „Ich bete jeden Tag.“

„Möchte 90 Jahrewerden“

Mit dem Weggangseiner Frau ist die Welt für ihn zwar ärmer geworden. „Aber ich lebe trotzdemnoch gern.“ Seine Kinder und Enkel und die Ausflüge mit den Pensionistenbereiten ihm Freude,  auch die Arbeit am Computer – „ich gestalteBeileidskarten“ – macht ihm Spaß, ebenso die Nachmittage beim Kartenspiel mitseiner Nachbarin. Im April steht für den Rentner die nächste Untersuchung an.Er hofft, dass sie wieder einen für ihn günstigen Befund erbringt. Denn: „90würde ich schon gerne werden.“

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