"Germany’s next Topmodel": Von Außergewöhnlichkeit fehlt jede Spur

Wenn Heidi Klum auf etwas wert legt, dann auf Außergewöhnlichkeit. Dementsprechend außergewöhnlich war es, dass in der jüngsten Folge nichts Außergewöhnliches passiert ist. Daran änderte auch Gast-Juror Otto Waalkes nichts und auch nicht die Tatsache, dass wieder eine Kandidatin stiften ging.

Das große Umstyling? Na klar. Ein Nackt-Walk? Was für eine Frage! Die Kandidatinnen als aufblasbare Emojis herumlaufen lassen? Was wäre “Germany’s next Topmodel” ohne Kandidatinnen, die als aufblasbare Emojis herumlaufen! Die Models beim Posen in einem riesigen Quadrat um sich selbst drehen lassen? Auch hier: check!

Ja, auch in der diesjährigen Staffel “Germany’s next Topmodel” springt man wieder einmal von einem Höhepunkt zum nächsten. Da stellt sich natürlich vor Episode Nummer zehn die Frage, was man denn noch so alles an Außergewöhnlichem machen kann. Bis zum Finale ist es ja noch ein bisschen hin und unter außergewöhnlich macht’s die Klum ja nicht. Was also tun?

Die Models auf der ISS Schlittschuh fahren lassen? Könnte zu gewöhnlich sein. Den Kandidatinnen einen kleinen Jura-Crashkurs geben, damit sie in ihrer Model-Karriere keine Knebelverträge unterschreiben? Okay, das ist selbst für GNTM zu krass. Nein, Heidi Klum hat sich für etwas ganz Anderes entschieden: ein Videodreh mit Komiker Otto Waalkes.

Otto bei GNTM: “Es fehlt ihnen vielleicht die berufliche Erfahrung.”

Otto? Warum zieht die Klum denn nun Otto in ihre Show mit hinein? Das fragt sich zumindest Elisa: “GNTM und Otto – das hätte ich niemals gedacht, weil eigentlich passt’s ja gar nicht zusammen, finde ich”, überlegt das Model laut, aber da weiß sie ja noch nicht, dass Otto dabei ist, um seinen neuen Film zu promoten.

Das hat man Heidi Klum aber offenbar nicht gesagt, denn die verkauft die Aktion weiterhin tapfer als Schule fürs Leben: “Meine Mädchen dürfen sich endlich wieder als Schauspielerinnen beweisen”, erklärt Klum und lässt damit Zweifel wachsen, ob sie wirklich weiß, was eine Schauspielerin ist.

Aber zum Glück gibt ihr Otto nach den, sagen wir einmal, durchwachsenen Leistungen der Damen einen Hinweis: “Es fehlt ihnen vielleicht die berufliche Erfahrung.”

Doch Klum geht es ohnehin nicht um das Können der Damen als Schauspielerinnen, sondern darum fürs nicht schauspielern können trotzdem gut bezahlt zu werden: “Es ist einfach wichtig als Model, in andere Rollen schlüpfen zu können. Wenn es gut läuft, bekommt man nicht nur Laufsteg- und Fotoshootinganfragen, sondern man darf in Werbung oder Filmen mitspielen. Und das sind oft die Jobs, die die meiste Asche bringen.” Das oder TV-Shows zu machen, in denen man dem Nachwuchs erzählt, was die meiste Asche bringt.

Und so arbeiten sich die Models an Otto Waalkes ab, der seinerseits zeigt, was er seit ein paar Jahrzehnten so im Repertoire hat. Unterdessen macht hinter den Kulissen die Runde, dass Romy ihr Heil in der Flucht suchen möchte, weil ihr ein nicht näher genanntes Problem aufs Gemüt schlägt.

Das ist auch deshalb wichtig, weil zur gleichen Zeit Elisa und Ashley als potenzielle Heute-kein-Foto-Kandidatinnen in Stellung gebracht werden.

“Germany’s next Topmodel” trifft “die Subkultur von Berlin”

Mit einem “Hast du so viel Spaß gehabt wie ich, Otto?”, beendet die Klum irgendwann den Videodreh mit einer etwas unfairen Frage.

Denn zum einen weiß man ja nicht, wie viel Spaß die Klum hatte, zum anderen haben 15 Jahre GNTM gezeigt, dass die Klum eine ganz eigene Vorstellung von Spaß hat. So oder so ist der Spaß vorbei, denn es steht wieder einmal etwas Außergewöhnliches an: “der Opel-Job”.

Natürlich will der zuständige Herr von Opel Heidi Klum in Außergewöhnlichkeit in nichts nachstehen und fordert für seine Social-Media-Kampagne einen Auftritt der Damen, der “mutig, klar und am besten: außergewöhnlich” ist.

Außergewöhnlich wird es dann tatsächlich, denn dass man solche Werbepartnerschaften auch nach 15 Jahren immer noch als Modelausbildungsstation verkauft, ist außergewöhnlich dusselig.

Also lieber auf zum nächsten Höhepunkt und für den will die Klum die Models in die Berliner Clubszene entführen. Sie sollen zuerst tanzen und danach ihren Modelkram machen.

Aber in Berlin tanzt man offenbar nicht einfach so, sondern braucht dafür die außergewöhnlichen Klamotten einer außergewöhnlichen Designerin, wie die außergewöhnliche Designerin selbst erklärt: “Ich stehe so für das Lebensgefühl und den Zeitgeist von Berlin, vielleicht auch so ein bisschen für die Subkultur von Berlin.” Hätte die Subkultur von Berlin sicher auch nie gedacht, dass sie mal bei “Germany’s next Topmodel” dabei ist.

GNTM Folge 10: Diesmal geht keine Kandidatin leer aus

Weil Subkultur aber erst Subkultur ist, wenn man sich fürs Tanzengehen die Augenbrauen bleicht, passiert zum Erstaunen der Models genau das. “Das wird sehr cool aussehen, ihr werdet es lieben”, irrt sich die Designerin gleich doppelt.

Dass man mit dem Bleichmittel nicht nur Augenbrauen bleichen kann, sondern auch teure Designerklamotten, findet Elisa beim Anziehen ganz nebenbei heraus. “Ihr müsst echt aufpassen, dass das nicht an die Klamotten kommt”, erklärt die Designerin einen Tick zu spät.

Dass man sich die teuren Klamotten auch erst nach dem ganzen Gebleiche hätte anziehen können, scheint indes niemandem eingefallen zu sein. Einen missratenen Gag mit einem Türsteher später, erreicht der Modeltrupp die Tanzfläche und mit einem “Tja, gut aussehende Mädchen, die kommen alle rein”, zeigt die Klum, wie ernst sie es mit dem diesjährigen “Diversity”-Motto in ihrer Show meint.

Also tanzen die gut aussehenden Mädchen um die Wette und als Otto den Tanz von Liliana mit einem “shake that booty” kommentiert, wünscht man sich, dass er sich eine andere Werbeplattform für seinen Film gesucht hätte, auch um seiner selbst willen.

Doch dafür ist es nun zu spät und so wird Otto Waalkes Zeuge, wie Heidi Klum ganz am Ende doch noch ein bisschen Außergewöhnlichkeit in Folge 10 zu bringen versucht, indem sie diesmal niemanden nach Hause schickt. Darauf ein Hollerähidi!

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