Kompostierbare Qualitätsstoffe

INTERVIEW Stefan Grabher (55),Gründer/Inhaber/GF Mary Rose/Paptex Textilhandels GmbH Dornbirn

Eine ganzheitliche Unter­nehmenstransformation nach dem 4-Säulen-Prinzip.

Positiver Impact vom Rohstoffanbau über den gesamten Produktionsprozessbis hin zu Recycling/Kompostierfähigkeit unter Berücksichtigung bzw. Einhaltungvon Naturkreisläufen umfasst die Firmenphilosophie und aktiveUnternehmenstransformation der Mary Rose/­Paptex Textilhandels GmbH. Gründerund Geschäftsführer Stefan Grabher setzt mit seinem Team und der Heimtextilien-und Wohnaccessoires-Eigenmarke „Mary Rose“ auf das „4-Säulen-Prinzip derNachhaltigkeit“, das unter anderem „Cradle to Cradle“ GOLD-Textilienbeinhaltet. Das Unternehmen wurde dafür für den deutschen Nachhaltigkeits- undDesignpreis nominiert. „Es gilt das Null-Schadstoff-Prinzip von A-Z: Keinenegativen Einflüsse während des gesamten Entstehungs- und Lebenszyklus derWare“, ­erläutert Grabher im VN-Interview.

Wie decken sich aufwendige ökologische Bemühungen mit unternehmerischemErfolg?

GRABHER Wir sind mit unseren C2C-Produkten/Lösungen bereits auf demMarkt und seit Jahren aktiv im gesamtheitlichen Transformationsprozess imglobalen Kontext. Unsere Unternehmenstransformation nach dem 4-Säulen-Prinzipist eine enorme Herausforderung, da die Umstellung nicht nurEigenmarkenprodukte wie Bett­wäsche im Speziellen umfasst, sondern dasGesamtunternehmen – von internationalen Zulieferern bis zum Endverbraucher. Esgeht nicht nur um die Optik, sondern alle Materialien im gesamten Prozess.Nicht nur der Rohstoff Baumwolle, sondern alle Teile – vom Knopf, übers Garnbis zum Reißverschluss – müssen neu gedacht werden. Wir müssen durchgängigdurch Transparenz Vertrauen vermitteln. 90 Prozent unserer Partner sindinzwischen Fair Wear auditiert oder zumindest unter Monitoring und 60 Prozentunseres Baumwollsortiments ist bereits GOTS-zertifiziert. Die bisher am Marktangewendeten Konzepte beinhalten oftmals sehr viele Probleme. Wie zum Beispiel,dass sich während der Verwendung des Produktes beim Waschen Mikroplastikherauslöst und in den Wasserhaushalt gelangt. Beim Recycling werden guteProdukte mit schlechten Produkten vermischt, der Lebenszyklus wird zwarverlängert, aber die Schadstoffproblematik am Ende des Lebenszyklus wird nichtbeseitigt. Und das sind nur ein Teil der Probleme, die sich aus der Nutzung vonkonventionellen Textilien ergeben. Wir wollen gemeinsam mit unseren Partnernund Kunden einer Gesinnung Rechnung tragen, die nicht nur wertvolleQualitätsprodukte in schönem Design schafft, sondern in Naturkreisläufen undeinem intakten Ökosystem etwa kompostierbare Nährstoffeergibt, aus denen man wieder neue „Bäume“ pflanzen kann. Es geht darum, ausnegativen positive Effekte zu machen. Das gilt selbstverständlich einhergehendauch für den sozialen Bereich: Wir tragen unseren Teil bei, indem wir an Themenwie Fairness für unsere Produktionsmitarbeiter in den unterschiedlichstenLändern sowie Stärkung ihrer Rechte und den Erhalt eines existenzsicherndenLohnes arbeiten. Wo kein Negativ-Input, da auch kein Negativ-Output! Die4-Säulen-Transformation ist als laufender Prozess eine permanenteHerausforderung und die Konsumenten mit dem entsprechenden Bewusstsein sindwesentlicher Teil dieser positiven Entwicklung.

Wie entfaltet der Öko-Einsatz und das breite Bewusstsein dafür Wirkung?

GRABHER Der Markteintritt ist ganz bewusst mit unterschiedlichenHandelsunternehmen/Partnern in Österreich, Deutschland und der Schweiz erfolgt.Teilweise mit stationären Händlern, teilweise mit Versandhändlern undklarerweise mit den eigenen Geschäften, wo der direkte persönliche Kontakt zumKunden bzw. Endverbraucher im Verkaufsgespräch mit meinem Team und mir gepflegtwird. Dort erhalten wir wertvolle Informationen und Ideen. Für Kunden ausRegionen, die nicht durch stationäre Partner abgedeckt sind, haben wir einenkleinen feinen Onlineshop eröffnet, der es ihnen ermöglicht, trotzdemnachhaltige Waren zu beziehen.

Was sind die Beweggründe für diese Transformation?

GRABHER Hauptsächlich meine eigene Erfahrung. Ich bin seit Anfang der80er-Jahre im Textilhandel tätig und habe in verschiedensten Ländern immerwieder die oft negativen/fatalen Auswirkungen der Textilindustrie auf denMenschen und die Umwelt erlebt. Auch kann ich mich noch an Zeiten erinnern, alsdiese Auswirkungen bei uns in Österreich spürbar waren. Mittlerweile haben wirsie in unserem Land vermeintlich repariert, allerdings durch Weiterführung dernegativen Kreisläufe in anderen Ländern. Also durch Outsourcing. DieseBeobachtungen und Erfahrungen haben zu dem Wunsch nach einem Paradigmenwechselgeführt.

Alles natürlich ganz klar im Rahmen unserer Möglichkeiten. Hier sehenwir unser „Cradle to Cradle“-Konzept als mögliches Leuchtturm­projekt, da esfür den Erhalt der Rohstoffressourcen in Naturkreisläufen steht. DasC2C-Prinzip ist nicht nur regional, sondern länder- und kontinenteübergreifend– also global – angelegt. Denn das Problem ist ja auch global. Also findetunser Projekt in verschiedenen Ländern in Asien und Europa statt. Neben derökologisch-sozialen Ausrichtung und Umsetzung sind zudem gutes Design undFunktionalität sowie wirtschaftlicher Erfolg tragend. So wird das Credo des 21.Jahrhunderts heißen: Kein gutes Design ohne Funktionalität und Nachhaltigkeit!

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