Live-Orgasmus: Radio-Reporterin wird sexuell belästigt nach Recherche im Swinger-Club

Nutzer wollen mehr vom Stöhnen hören

Für eine Reportage über einen Swingerclub hatte es Reporterin Louise Fischer vor Ort nicht nur bei Geplänkel belassen. Die dänischen Zuhörer konnten im Radio live ihren Orgasmus verfolgen. In den sozialen Medien bekommt die Journalisten nicht nur Komplimente für ihre Arbeit – sie erhält auch Nachrichten mit plumpen Anmachen.

Nachrichtenanfragen gehen unter die Gürtellinie

An der kürzlich im dänischen Radio erschienenen Reportage scheiden sich die Geister: Hat es die Reporterin Louise Fischer zu weit getrieben? Für ein Sex-Feature hatte die 26-Jährige den Auftrag bekommen, einen Swinger-Club in der Nähe von Kopenhagen auszukundschaften. Doch es blieb nicht bei Gesprächen mit den Besuchern. “Radio4” sendete den Beitrag, Orgasmus inklusive. Nach ihrer Reportage erreichen die dänische Journalistin jetzt Nachrichten-Anfragen aus der ganzen Welt, auch aus Deutschland. Manche davon gehen unter die Gürtellinie.

Lese-Tipp: Wie die Resonanz zum Sex-Feature ausfiel, können Sie hier nachlesen. Dort finden Sie auch einen Ausschnitt aus dem Radiobeitrag.

Verbale sexuelle Belästigung im Netz

“Das war eine schön geile Reportage im Swingerclub von Dänemark”, schreibt zum Beispiel Frank aus Deutschland in seiner Nachricht, der Bild liegt hiervon ein Screenshot vor. Frank belässt es jedoch nicht bei diesem Kompliment, sondern sendet der Reporterin auch einen Kuss. Und das ist noch nicht alles: Er fordert die Mittzwanzigern auf, ihm mehr von diesen Geräuschen zu senden. Damit spielt er auf das Stöhnen an, das im Radiobeitrag zu hören war. Solche Nachrichten sind nicht mehr als Komplimente zu verstehen. So definiert der Deutsche Gewerkschaftsbund in einem Handlungsleitfaden sexuelle Belästigung als “jedes Verhalten mit sexuellem Bezug oder auf Grund der Geschlechtszugehörigkeit des Gegenübers, das von einer Seite unerwünscht ist und das Gegenüber in seiner Würde verletzt”. Das deutsche Gesetz hingegen sieht das anders: Strafbar ist sexuelle Belästigung demnach erst, wenn Täter jemanden “in sexuell bestimmter Weise körperlich berührt und dadurch belästigt”. Eine Stundentin will das mit einer Petition ändern: Sie sagt, sexuelle Belästigung gehe nicht erst bei Körperkontakt los.

Frank ist nicht der einzige Mann, der bei seiner Kontaktaufnahme nicht zwischen Kompliment, plumper Anmache und sexueller Belästigung unterscheiden kann. “Ich muss einfach mal loswerden wie mega attraktiv du bist…” Ob sich die Schreibenden durch solche Nachrichten ein Date mit der Journalistin erhoffen?

RTL.de empfiehlt

Auf nette Nachrichten antwortet die Reporterin

Die Bild zumindest scheint davon auszugehen, dass sich Frauen durch solche Nachrichten geschmeichelt fühlen. Zumindest musste die Reporterin sich der Frage ausgesetzt sehen, ob da auch eine Nachricht darunter wäre, die zu mehr führen könnte. Schließlich sei Fischer ja Single. “Ich werde auf jeden Fall denjenigen antworten, die mir nette Sachen schreiben. Viele haben sich bedankt. Auch Paare haben geschrieben, dass sie dank mir jetzt wieder mehr Pfiff im Liebesleben haben. Manche wollen auch Tipps. Aber ich bin seit zehn Jahren Single, ich habe keine Ahnung von Beziehungsproblemen. Da kann ich nicht helfen. Es gibt aber auch viele, die weniger nette Dinge schreiben oder nur ein, zwei Wörter wie ,toll’ oder ,geile Reportage’. Da antworte ich nicht.”

Lese-Tipp: “Hey Süße, willst du ficken?”, “Geiler Arsch” oder “Du heftige Nutte” – Täglich müssen sich Frauen in Deutschland Belästigungen wie diese gefallen lassen. Dazu kommen Gesten, Pfiffe, anzügliche Geräusche bis hin zum Begrapschen. RTL testete in einem deutschlandweiten Experiment, wie schnell Frauen in alltäglichen Situationen belästigt werden, wenn sie alleine unterwegs sind. Das Ergebnis ist erschreckend.

Viele Komplimente für Sex-Feature

Neben diesen teils übergriffigen Nachrichten erhielt die dänische Reporterin viel Zustimmung. Ein Nutzer schrieb ihr zum Beispiel in einer Nachricht, von der der Bild ein Screenshot vorliegt, dass das eine “sehr mutige und coole Aktion” gewesen sei. Und auch ihre Chefin klopfte Louise Fischer auf die Schulter. Sie lobte den Einsatz ihrer Mitarbeiterin und war erstaunt über das große Medienecho: “Ich finde es cool, wenn unsere Reporter damit experimentieren, Journalismus auf andere Weise zu machen”, so Programmchefin Tina Kragelund. Man wolle den Hörern schließlich nicht nur Altbewährtes, sondern auch überraschende Perspektiven und Blickwinkel anbieten.

Einige Journalisten hatten kritisiert, dass Fischer eine Grenze überschritten habe. Reporter sollten sich nur selbst einbringen, wenn es keine andere Möglichkeit für eine investigative Recherche gebe. Das sieht die “Radio4”-Journalistin anders: “Können wir offen mit unseren Hörern über Sex sprechen? Daran habe ich nach der Debatte der letzten Tage Zweifel. Ich denke, dass man natürlich frei über Sex reden kann, wenn man will. Und wenn Du es nicht willst, ist es okay, es für dich zu behalten”, meldet sie sich bei Instagram zu Wort. “Aber Intoleranz gegenüber unserer eigenen Sexualität und unseren Trieben ist gefährlich.”

Im Video: RTL-Reporterin bekommt bei der Jobsuche im Netz hunderte Sex-Nachrichten



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