Nicht nur München leuchtet – Kunstminister Sibler plant Kultursommer

München – Man kann jeden Platz der Poesie zuführen”, sagt Till Hofmann. Der Münchner Kleinkunst-Impresario sprach mit Ministerpräsident Markus Söder und Kunstminister Bernd Sibler über die schwierige Lage freiberuflicher Musiker und Kabarettisten. Anschließend wurde seine Vision administrativ ein bisschen kleiner gemahlen. Herausgekommen ist der Kultursommer “Bayern spielt” auf öffentlichen Plätzen und Parks im Freistaat, den Sibler am Mittwoch im Literaturhaus präsentierte.

Königsplatz wird zur Kulturbühne

Sibler – in seiner Lieblingsrolle als Ermöglicher – nannte das Projekt eine “Plattform mit Lotsenfunktion”. Sein Ministerium liefert die Marke, eine Homepage und viel Öffentlichkeitsarbeit. Unter diesem Dach können Private mit dezent gemildertem Risiko bereits geplante oder neu erfundene Verstaltungen beitragen – bevorzugt unter freiem Himmel und nach geltender Infektionsschutzverordnung für derzeit maximal 500 Besucher. Den Auftakt bildet die einwöchige Bespielung des Königsplatzes vom 29. Juni bis 5. Juli. Sie soll laut Sibler die Aufmerksamkeit der Menschen wieder auf Kunst und Kultur lenken und ein Signal sein, dass Kunst und Kultur in Bayern endlich “wieder voll durchstarten”.

Die Kammerspiele eröffnen die Reihe mit “What is the City but the People?”. Mit diesem partizipativen Projekt wollte Barbara Mundel ihre Intendanz an den Kammerspielen beginnen, nun wird es nachgeholt und vom Odeons- auf den Königsplatz verlegt. Einen Tag später folgen die Münchner Symphoniker mit Dreiviertelblut. Das Residenztheater spielt “Die drei Musketiere”, zwei Abende gehören dem “Brandner Kaspar” des Volkstheaters, zwei weitere jungen Bands aus München.

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Anschließend wird – so wenigstens die ministerielle Vision – ganz Bayern bespielt. Der Minister erwähnte ein Konzert der Bamberger Symphoniker, Barockmusik in Aldersbach und Veranstaltungen in sozialen Einrichtungen. Definitiv ist auch Sommertheater im Englischen Garten im August, ehe der Sommer mit einer Veranstaltung am 30. September außerhalb von München zu Ende geht.

Auf der Homepage schaut der bayrische Sommer vorläufig eher mager aus: Dort sind bisher primär Veranstaltungen staatsnaher Häuser wie des Gärtnerplatztheaters und sogar Online-Museumsführungen zu finden, die womöglich nicht ganz der Idee der Visionäre entsprechen. Weil bisher nicht alle so fleißig beim Eintragen waren wie die unterfränkische Landesbühne Schloss Maßbach, forderte Projektpartner Till Hofmann Kommunen und Veranstalter auf, sich stärker zu beteiligen.

380 Millionen Euro stehen zur Verfügung

Karten für das Münchner Programm werden über Münchenticket verkauft, der Rest geschieht über örtliche Stellen. Kostenlose Aufführungen scheinen nicht geplant zu sein. Der Staat selbst tritt nicht als Veranstalter auf und setzt auf privatwirtschaftliche Initiativen. Die Kommunen, die Schlösser- und Seenverwaltung und weitere staatliche Einrichtungen stellen laut Sibler über 900 Flächen und Veranstaltungsorte in ganz Bayern zur Verfügung, “oft zum Selbstkostenpreis”, wie es in der Pressemitteilung heißt.

Das heißt immer noch, dass man betriebswirtschaftlich irgendwie auf eine schwarze Null kommen muss. Und daher scheint die Beteiligung bisher auch eher zögerlich, zumal es hin und wieder im Sommer auch regnen soll.

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Für “Bayern spielt” stehen laut Sibler rund 380 Millionen Euro zur Verfügung. Im Rahmen des Sonderfonds des Bundes gebe es eine Wirtschaftlichkeitshilfe für kleinere Veranstaltungen, die coronabedingt weniger Zuschauern einlassen dürfen. Ab dem 1. September soll es zudem eine Ausfallabsicherung für größere Ereignisse geben. Sie sind laut Sibler etwa für Konzerte oder Festivals mit mehr als 2.000 Besuchern gedacht, die lange vorher geplant werden müssen.

Da die Sieben-Tage-Inzidenz in Bayern momentan überall unter 100 liegt, sind bei kulturellen Veranstaltungen unter freiem Himmel bis zu 500 Besucher erlaubt – mit festen Sitzplätzen. Dass die UEFA für ihre Europameisterschaft eine Extrawurst für 14.500 Zuschauer in der Allianz Arena gebraten bekommt, bezeichnete der Minister als “Pilotversuch”, von dem er sich Impulse für weitere Öffnungen erhoffe.

Gibt es eine Ausnahmeregelung für “Klassik am Odeonsplatz”?

Zur den Perspektiven für Clubs äußerte sich Sibler abwartend. “Klassik am Odeonsplatz” ist offenbar kein Teil von “Bayern spielt”. Unter den geltenden Bedingungen ist das Open Air der Münchner Philharmoniker und des BR-Symphonieorchesters nicht durchführbar. Ob es dafür eine Ausnahmeregelung geben wird, dazu wollte Sibler nichts sagen.

Vor einer wechselnden Projektion sonnenbeschienener bayerischer Schlösser, Seen und Parks appellierte der Minister an die Bürger, kulturelle Angebote auch wahrzunehmen. “Durch gut durchdachte Hygienekonzepte warten sichere und unvergessliche Kulturerlebnisse auf Sie”, betonte der Minister. “Ich wünsche uns allen einen traumhaften Sommer mit Konzerten, Aufführungen und Ausstellungen. Erwecken wir die Kunst gemeinsam wieder zum Leben. Lassen wir gemeinsam den Kulturstaat Bayern wieder leuchten!”

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