So schlägt sich das neue "Call of Duty: Black Ops – Cold War" im Test

“Call of Duty: Black Ops – Cold War” besinnt sich selbstbewusst auf jene Merkmale, die die Marke groß gemacht haben. Dennoch wagt man auch innovative neue Wege. Passt dieses Gesamtpaket zusammen? Die Antwort liefert der Test.

Neues Kanonenfutter für PC- und Konsolenkrieger: Mit “Black Ops – Cold War” feiert die meistverkaufte Serie der “Call of Duty“-Marke ein Comeback. Inhaltlich knüpft “Cold War” an das erste “Black Ops” an, das vor zehn Jahren erschien. Vorkenntnisse sind nicht nötig. Wer sie dennoch hat, freut sich über Anspielungen, Erklärungen und Seitenhiebe. Auffällig: Nachdem das letzte “Call of Duty” ohne Solospielerkampagne auskommen musste, bietet “Cold War” nun ein rundes Paket aus Story, Multiplayer- und Koop-Modus – inklusive Nazi-Zombies und greller Neon-Optik.

Ist “Cold War” Geschichtsunterricht mit einer Knarre?

US-Präsident Ronald Reagan gibt die Befehle – und will einen Dritten Weltkrieg verhindern. © Activision

Wie der Beiname “Cold War” verrät, ist die Kampagne im Kalten Krieg angesiedelt – eine Ära, in der es zwischen der Sowjetunion und dem Westen zu einem atomaren Konflikt hätte kommen können. Das Eintauchen in die von Furcht und Wettrüsten geprägten 80er-Jahre erleichtern historische Fernsehaufnahmen und virtuelle Gastauftritte von Personen der Zeitgeschichte wie US-Präsident Ronald Reagan und Michail Gorbatschow, noch ehe Letzterer zum Staatspräsidenten der Sowjetunion wurde.

Wer ist die Hauptfigur?

“Black Ops – Cold War” stellt chronologisch die Fortsetzung der Story des ersten “Black Ops”-Ablegers aus der “Call of Duty”-Reihe dar. Entsprechend gibt es ein Wiedersehen mit den beliebten Charakteren, die den Kult um die Elite-Agenten und ihre verdeckten Operationen (“Black Ops”) einläuteten – unter anderem Woods, Mason und Hudson.

Hat etwas von Robert Redford: CIA-Agent Russell Adler ist eine wichtige Figur in "Call of Duty: Black Ops – Cold War". © Activision

Dazu gesellen sich Figuren wie CIA-Einsatzleiter Russel Adler, der optisch an einen Robert Redford mit Narbe erinnert. Die Hauptrolle aber übernimmt der Spieler selbst – als Agent “Bell”. Der Codename ist zwar vorgegeben, doch erstmalig in der “Black Ops”-Geschichte legt man zu Beginn seine eigene individuelle CIA-Akte an und bestimmt dabei Vor- und Nachname, Geheimdienst, Hautfarbe und Geschlecht.

Zudem erstellt man ein psychologisches Profil mit 15 Eigenschaften. Jede bringt individuelle Fähigkeiten mit sich. So kann der “Ungeduldige” präziser aus der Hüfte feuern, während der “Unnachgiebige” eine um 25 Prozent erhöhte Feuerrate hat – übrigens nicht der einzige Rollenspiel-Einschlag.

Wie originell ist die Story der Kampagne?

Ohne zu spoilern: Nicht weniger als das Schicksal der westlichen Welt steht in “Cold War” auf dem Spiel. Ein russischer Agent namens Perseus erlangt Zugriff auf Atombomben. Wie für jeden Thriller gilt auch bei “Black Ops – Cold War”: Nichts ist, wie es scheint. Schon zu Beginn der Handlung wimmelt es von Verschwörungen – und je näher der Showdown rückt, desto mehr Haken schlägt der Plot.

Treyarch und Raven Software bekamen beim Storytelling zwar Schützenhilfe von Hollywood-Autor David S. Goyer (“The Dark Knight”), sonderlich originell ist die Kampagne aber nicht. Vielmehr wirkt sie wie eine Ansammlung von Versatzstücken. Allerdings ist “Cold War” so rasant, filmreif und voller Getöse inszeniert, dass wenig Zeit zum Nachdenken bleibt. Nach sechs bis acht Stunden Spielzeit ist der “Agentenfilm” vorbei. Bleibt ein erneutes Durchspielen mit anderen Entscheidungen, um ein alternatives Ende zu erleben – oder weitere Schwierigkeitsgrade auszutesten. Fünf sind es insgesamt.

Wie innovativ und abwechslungsreich ist das Gameplay von “Black Ops – Cold War”?

Die Verfolgung von Perseus führt die Elite-Agenten rund um den Globus: in die Türkei und Ukraine, nach Kuba, Ost-Berlin und Moskau. In einem Rückblick verschlägt es Spieler sogar in den Dschungel von Vietnam. Der Abwechslungsreichtum ist deutlich höher, als man es von den vorigen “Black Ops”-Abenteuern kennt. Zwar sind Schießereien weiterhin das zentrale Element, doch wechseln sich diese nun häufig mit Stealth-Momenten ab: Schlösser knacken, schleichen, Verdächtige mit Kameras beobachten, Wachmänner ausschalten und diese in Schränken verstecken, in falscher Uniform durch einen Sicherheitstrakt spazieren – bisweilen erinnert das neue “Cold War” an Klassiker wie “Hitman” oder “Metal Gear Solid“.

Für ruhige Momente sorgen auch die Dialoge, die fast schon an ein Rollenspiel erinnern. In den Gesprächen gibt es in der Regel die Wahl zwischen zwei Antwortmöglichkeiten – vom Smalltalk mit den anderen Teammitgliedern bis zu Verhörtechniken. Im Unterschlupf der Black-Ops-Agenten kann man darüber hinaus an der Beweistafel gesammelte Informationen wie Dokumente und Fotos inspizieren und die richtigen Schlüsse ziehen, die bei der Jagd nach Perseus hilfreich sein könnten.

Dabei handelt es sich – wie bei manchen Seitenmissionen – um ein optionales Gameplay-Element. Das ist gut so, denn wer sich ins Baller-Getümmel stürzen will, dem wird die Fülle an Lesestoff zu viel sein. Wer dagegen eine detektivische Ader hat oder einfach tiefer in das Story-Geflecht eintauchen möchte, wird das Knobeln als Mehrwert zur Schießbude genießen.

Apropos: Natürlich gibt es jede Menge “Call of Duty”-typische Momente – voller Explosionen, Skriptsequenzen und Reaktionstests. Dazwischen warten mitunter regelrechte Ballerexzesse auf großen Schlachtfeldern, in Straßenzügen oder in den engen Gängen einer Militärbasis im verschneiten Jamantau-Gebirge. In der Regel ist man zu Fuß unterwegs, umso spektakulärer wird’s, wenn man in ein Fahrzeug steigt oder mit dem Kampfheli Raketen regnen lässt.

Wie brutal ist “Black Ops – Cold War”?

Das Gemetzel im KGB-Hauptquartier ist verstörend brutal. © Activision

Die “Call of Duty”-Reihe ist traditionell nichts für zarte Gemüter. Schließlich werden hier im Sekundentakt Soldaten über den Jordan geschickt. Einmal gingen die Macher dabei für viele zu weit: In “Call of Duty: Modern Warfare 2” war man in der Mission “No Russian” gezwungen, als Undercover-Agent tatenlos bei einem terroristischen Massaker an Zivilisten an einem Flughafen zuzusehen. Ein Eklat sondergleichen. So weit geht “Black Ops – Cold War” nicht, doch das Gemetzel beim Showdown der Mission im KGB-Hauptquartier weckt aufgrund der hohen Zahl der waffentechnisch unterlegenen Opfer Erinnerungen an den kontroversen CoD-Moment. Die USK gab eine Altersfreigabe ab 18 Jahren, zumal auch die Nahkampf-Kills nichts für Zartbesaitete sind. Trotzdem erscheint “Call of Duty: Black Ops – Cold War” in Deutschland ungeschnitten.

Welche Szene ist das Highlight der Kampagne?

Im KGB-Hauptquartier gilt es zunächst, unerkannt zu morden. Waffen sind keine Option, auch nicht mit Schalldämpfer. Stattdessen soll Gift den Gegner eliminieren. Dumm nur, wenn der tödliche Trank vertauscht wird. Was folgt, ist eine Art Hütchenspiel um Leben und Tod, das den Spielern Timing und raffinierte Gesprächsführung abverlangt. Ein echter Gänsehaut-Moment!

Was geht gar nicht?

Schon im Vorfeld der Veröffentlichung kritisierten viele, dass ausgerechnet die Reagan-Ära samt Gastauftritt des umstrittenen US-Präsidenten als historische Vorlage dient. Der Republikaner war verwickelt in die Iran-Contra-Affäre, bei der Einnahmen aus geheimen Waffenverkäufen an den Iran an die rechtsgerichtete Guerilla-Bewegung der Contras in Nicaragua weitergeleitet wurden. Im Kampf gegen die Aids-Epidemie wiederum scheute der Präsident die Finanzierung der Forschung.

Einen üblen Beigeschmack hinterlässt auch der “Fireteam: Dirty Bomb”-Modus, bei dem 40 Spieler in Vierer-Teams aufs virtuelle Schlachtfeld geschickt werden, um zunächst genügend Uran für eine schmutzige Bombe zu sammeln – und diese dann zu zünden. Die Waffen, die großflächigen Schaden anrichten können, indem sie Gebiete auf Jahrzehnte verstrahlen, gelten als Terror-Schrecken jeder Regierung. Daraus einen “Online-Spaß” zu machen, ist mehr als fragwürdig.

Wie ist der Rest vom Multiplayer-Modus?

Neben der Kampagne bietet “Black Ops – Cold War” auch einen Multiplayer-Modus, der die bewährten Online-Varianten um neue Spielarten erweitert. Bei “VIP-Eskorte” versuchen die Teams abwechselnd, einen zufällig gewählten VIP zu evakuieren. Im Moshpit “Verbundene Waffen” stehen teambasierte 6v6-Matches an. Die Maps sind abwechslungsreich und weitläufig genug, um individuelle Laufwege und Strategien zu erlauben, aber gleichzeitig übersichtlich genug, um sich nicht darin zu verlieren.

Bei größeren Entfernungen stehen teils Fahrzeuge zur Verfügung. Insgesamt fühlt sich das Multiplayer-Gameplay schnell und actionorientiert an. Wer nicht in Bewegung bleibt, wird nicht lange überleben. Eine Rückkehr zum klassischen, schnörkellosen Run&Gun also, zumal man beim Sprinten nicht mehr wie in “Modern Warfare” aus der Puste kommt. Neu ist auch das Ping-System, mit dem man Aufgaben, Loot oder Feinde markieren kann.

Ghostbusters trifft auf "Call of Duty"? Der obligatorische Zombies-Modus darf nicht fehlen.© Activision

Die Kartenvielfalt fällt mit acht kleinen und zwei großen Karten zu Beginn eher dünn aus. Zum Vergleich: “Modern Warfare” hat über 40 Maps. Dafür sind sämtliche “Cold War”-Karten, die nach dem Launch nachgereicht werden, von nun an nicht zeitexklusiv, sondern stehen dauerhaft kostenlos zur Wahl.

Während es in Kampagne und Multiplayer ernst und beinhart zugeht, lockert der kooperative Zombie-Modus das Geschehen mit augenzwinkerndem Humor auf. Im Szenario “Die Maschine” wagen sich die Spieler gemeinsam in einen Weltkriegsbunker voller Untoter – und schräger Drinks, die besondere Fähigkeiten verleihen. Stichwort: Tempo Cola. Kleiner Trost für PC- und Xbox-Gamer: Die PlayStation-exklusive Variante “Onslaught” mit einer herumfliegenden Ätherkugel langweilt ziemlich schnell.

Was hätte man besser machen können?

Im Multiplayer gilt hinsichtlich eines Details: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Dass das Sammeln von Scorestreaks nicht mehr unterbrochen wird, wenn man stirbt, soll einsteigerfreundlich sein. In der Praxis aber raubt man damit den Spielern den Nervenkitzel, ob man lange genug überlebt. Statt Abschussserien zählen nun die Punkte, die auch beim Tod nicht verloren gehen.

Auch die vollmundig angekündigten alternativen Enden der Solo-Kampagne schöpfen ihr Potenzial nicht ganz aus: Der Ausgang des Spiels hängt letztlich von einer wichtigen Entscheidung ab – und kann durch eine bestimmte Aktion ein Stück ausgeprägter ausfallen. Auch die Auswahlmöglichkeiten bei den Dialogen wirken etwas halbherzig – vor allem, was den Smalltalk mit den Kollegen angeht. Egal, wie man das Gespräch führt, es ändert sich scheinbar nichts an der Handlung.

Hat “Black Ops – Cold War” eine lange Zukunft?

Mit “Modern Warfare” beweist Activision, dass man auch einen in die Jahre gekommenen Titel mit Produktpflege am Leben erhalten kann. Ähnlich will der Publisher auch bei “Black Ops – Cold War” vorgehen. Activision verspricht “den größten Umfang kostenloser Inhalte nach der Veröffentlichung in der Geschichte von ‘Black Ops'”. Dies bezieht sich auf Multiplayer- und Zombies-Content.

Ebenfalls kündigt der Publisher “einen vollgestopften Terminkalender mit Community-Events im Spiel” an. Zudem ist das Battle-Royale-Free-2-Play “Warzone” im “Cold War”-Kosmos eingebettet – Fortschritte in “Modern Warfare” oder “Cold War” werden in “Warzone” übertragen. Auch das Battle-Pass-System geht mit einer neuen Saison 1 in die nächste Runde. Und noch etwas spricht dafür, dass Spieler sich über einen sehr langen Zeitraum mit “Black Ops – Cold War” beschäftigen werden: Der Egoshooter unterstützt sowohl Cross-Plattform- als auch Cross-Generation-Spiele. Im Mehrspielermodus können also Xbox-, Playstation- und PC-Gamer aufeinandertreffen. Zudem können Besitzer der Current-Gen-Modelle PS4 und Xbox One gegen Spieler mit einer PS5 oder Xbox Series X/S daddeln.

Ist “Cold War” einer der besten “Black Ops”-Ableger?

Hatte man beim vorigen Teil, “Black Ops 4”, den Eindruck, dass die Macher auf den Erfolg von Epigonen wie “Fortnite oder “PUB” schielten, zeugt “Black Ops – Cold War” von wiedererstarktem Selbstbewusstsein. Während Fans beim vierten Teil eine Kampagne komplett vermissten, ist die Story von “Cold War” erkennbar mit Engagement und Liebe zum Detail als ein Herzstück des Spiels gestaltet. “Cold War” zeigt, dass Treyarch und Raven Software begriffen haben, warum “Black Ops” zum ikonischen Markennamen avancierte. Nicht ohne Grund knüpft die Geschichte an das ursprüngliche “Black Ops” von 2010 an.

Erfreulicherweise besinnt man sich aber nicht nur auf den eigenen Markenkern, sondern geht auch neue Wege. Die Macher ergänzen das Baller-Epos um deutlich mehr Stealth-Elemente als bisher und strecken ihre Fühler sachte in andere Genres aus. Die cineastische Inszenierung des Story-Modus reizt die aktuellen Konsolen aus, überfordert sie sogar zuweilen, wenn hochauflösende Texturen erst spät nachgeladen werden. Bei Xbox Series X/S und PS5 ist indes noch viel Luft nach oben. Immerhin: Einige neuen Features des PS5-Controller werden unterstützt: Beim Bogenschießen sind die Schultertasten deutlich “zäher”. Alles in allem ist “Cold War” packende Shooter-Unterhaltung, aber nicht der erhoffte große Wurf – oder gar ein Aushängeschild für die neue Konsolengeneration. © 1&1 Mail & Media/teleschau

Kampagne, Multiplayermodus, Zombies: Das erwartet Spieler im neuen "Black Ops – Cold War"

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