Von Tokio bis Rio

Er ist der kreativeKopf hinter dem Firmament. Ernst Seidl Im Gespräch.

Wann ist die Idee zum FIRMAMENT entstanden?


Das war schon im Jahr 2014. Nachdem wir von den Olympischen Spielen in Sotschi zurückgekommen sind, merkten wir relativ schnell, dass der alte Standort bald aus allen Nähten platzen wird. Und so haben wir begonnen zu „spinnen“. Erst dachten wir nur an ein neues Gebäude fürs Catering. Aber dann kam die Idee: Wenn wir schon 300 Tage im Jahr zu Veranstaltungen im ganzen Land und darüber hinaus unterwegs sind, warum nicht die Events zu uns holen? Und schon zählte auch eine Veranstaltungshalle zur Planung. Ja und da war es eigentlich nur noch konsequent, auch ein Hotel mitzudenken. Bei 80 Zimmern starteten wir, letztendlich sind es nun 150 geworden. Konkret in die Planungen ging es dann 2016 und im Jahr 2020 begannen die Bauarbeiten.

Pünktlich zu Corona. Im Catering war Stillstand. Kamst du da nie ins Zweifeln angesichts des Großprojektes?

Nein. Also das mag vielleicht blauäugig klingen. Aber ich war mir immer sicher. Vor allem auch, weil ich weiß, was für ein Team ich im Hintergrund habe. Ich bin der kreative Kopf mit den Ideen und den Netzwerken. Aber ich hab da eine Mannschaft, die besteht aus den besten Köpfen, die du auftreiben kannst.

Ein Team, das den Kunden ihr ganz persönliches Rundum-sorglos-Paket bietet?

Ganz genau. Wir organisieren alles für die Firmen. Das ist unsere Stärke. Denn ein Betrieb aus Deutschland kennt den Käser, bei dem wir die Molkereibesichtigung planen, vermutlich nicht. Der hat nicht mal eine Homepage. Der existiert de facto für diese Firma gar nicht. Wir kennen den. Wenn wir eine Anfrage bekommen, klopfen wir die Wünsche ab: Wie lange seid ihr da und was wollt ihr in dieser Zeit erreichen? Seid ihr eher eine sportliche Firma oder kulturell interessiert? Dann gibt es für das Unternehmen einen Ansprechpartner und der koordiniert für sie die kompletten 72 Stunden. Und wenn sie im Dreck buddeln wollen, können sie das auch. Dann geht es mit einem alten Puch-Traktor raus auf unseren Gemüseacker.

Die Ausrichtung des FIRMAMENT ist Business und Events. Wie kam’s?

Das hat sich auch im Laufe der Planung immer feiner definiert. Wir wollten unsere Schiene finden, in der wir uns bewegen und in der wir die Besten werden können. Das FIRMAMENT soll darum auch nicht als Palast gesehen werden. Vielmehr haben wir aus Stahl, Glas und Beton ein Werkzeug gebaut. Hier sollen sich Menschen treffen, die sich weiterentwickeln und zusammen eine gute Zeit verbringen wollen. Und die Lage ist für ein Business-Produkt ideal. Denn das Rheintal ist im Grunde eine große Gewerbezone mit vielen Weltmarktführern. Da spielt sich alles ab, was Rang und Namen hat. Uns geht es aber vor allem auch darum, aktiv 50.000 Leute, die vorher noch nie in Vorarlberg waren, ins Land zu holen. Mit einem Ort, den es eben davor in dieser Form nicht gab.

Das FIRMAMENT trägtdeine Handschrift. Wie entstanden all die Ideen?

Ich bin sehr kreativ und habe das Glück, dassich nicht mehr so tief im operativen Geschäft drinhänge. Daher nutze ich auchdie Freiheit, alle möglichen Länder zu bereisen. Dabei sehe ich Gutes, aberauch Schlechtes. Und diese Eindrücke finden Gäste nun gesammelt im FIRMAMENT.Von architektonischen Einflüssen aus Tokio bis hin zur ansteckenden Lebenfreudeaus Rio de Janeiro. 

Ob Catering oder FIRMAMENT – man spürt in allem deine Leidenschaft fürs Gastgeben. Wie ist die entstanden?

Da bin ich quasi reingewachsen. Ich bin Handwerker. Ich hab erst Konditor gelernt, dann noch Koch dazu. Ich hab mich immer weitergebildet, stand auch hinter der Bar. Generell bin ich einfach gerne unter Menschen. Also ich wäre vermutlich der schlechteste Buchhalter der Welt. Darum habe ich diesen Bereich, als ich mich mit 24 Jahren zusammen mit meiner Frau selbstständig gemacht habe, sofort ausgelagert. Denn eines hab ich in all den Jahren gelernt: Wenn du das machst, was dir Spaß macht, dann bist du darin auch erfolgreich. Und die Dinge, die dir keinen Spaß machen, musst du in andere Hände legen.

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