Alanis Morissette und McCartney lassen die 90er aufleben

In der Flut von neuen Alben und Neuauflagen alter Klassiker kann man schon mal den Überblick über die Musiklandschaft verlieren. t-online.de hat dafür offene Ohren und gibt Ihnen sieben Lausch-Tipps.

Bei Spotify, Apple Music und Co. wird man mit Neuerscheinungen schier überfordert. Playlists aktualisieren sich ständig, nicht alles darin gefällt und überhaupt ist das Album doch das viel schönere Format. Wenn Sie mal wieder richtig Lust auf neue Sounds haben, Ihnen aber die Zeit fehlt, sich durch die Neuveröffentlichungen der Woche zu hören, stimmt t-online.de Sie mit der neuen wöchentlichen Rubrik “Schon gehört” (jeden Freitag) ein. Hier gibt es die sieben besten, wichtigsten, skurrilsten Alben für die nächsten sieben Tage.

Alanis Morissette – Such Pretty Forks in the Road

(Quelle: Sony Music)

Die Alternative-Rock-Ikone der 90er Jahre ist wieder da. Alanis Morissette ruht sich noch immer nicht auf den Tantiemen der Hit-Single “Ironic” aus dem über 33 Millionen mal verkauften Album “Jaged Little Pill” von 1995 aus. Acht Jahre nach “Havoc and Bright Lights” legt die Sängerin mit “Such Pretty Forks in the Road” nach.

Und sie klingt noch immer so, als könnte man den Großteil ihrer Songs in 90er Jahre Rom-Comedys benutzen. Das Eröffnungsdoppel “Smiling” und “Ablaze” etwa. Aber Morissette fährt keinen reinen Retro-Sound auf, um alte Fans zur Kasse zu bitten. Eine ruhige Piano-Streicher-Drums-Nummer wie “Reckoning” hätte es 1995 und auch 2002 nicht gegeben. Auch das etwas futuristische “Nemesis” mit seiner dezenten Elektronik ist eher Neuland für die Sängerin, die einst durch radiofreundlichen Alternative Rock berühmt wurde.

Zugegeben: Einen Hit wie “Ironic” schreibt man in der Regel nur einmal in seiner Karriere. Vielleicht auch zweimal, aber dann ist meist auch Schluss mit zeitlosen Klassikern. Das gilt auch für Alanis Morissette. Es ist aber erfreulich, dass “Such Pretty Forks in the Road” keine 90er-Jahre-Gedächtnis-Platte geworden ist, die zwanghaft versucht alte Glanztaten aufleben zu lassen, sondern im Hier und Jetzt verankert ist.

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Paul McCartney – Flaming Pie

(Quelle: Univeral Music Group)

Nee, Ex-Beatle Paul McCartney hat keine neue Platte herausgebracht. Viel eher versucht er dem eher vergessenen “Flaming Pie” von 1997 und einer Reihe an Re-Release-Optionen (von CD und LP bis zum opulenten Boxset ist da alles möglich, was der Geldbeutel hergibt und das Fanherz begehrt). Angereichert wird die normale CD-Ausführung mit Home Recordings. 

Besonders interessant am zehnten Solo-Album von McCartney ist, dass er mit vielen Freunden und Verwandten musiziert hat. So war auch sein Sohn James McCartney als Gitarrist mit von der Partie. Auch mit dabei waren Steve Miller, Jeff Lynne vom Electric Light Orchestra (kurz ELO) und auch Linda McCartney steuerte ein paar Gesangseinlagen bei.

Tolle Gästeliste, aber man muss auch sagen: Paul McCartney als Solokünstler ist ohne Wings auch nicht das Gelbe vom Ei. Dass 1997 Alternative Rock, Brit-Pop, Nu Metal und Boy- sowie Girlgroups die Charts dominierten, hört man “Flaming Pie” nicht an. McCartney machte das, was er schon immer gemacht hat: Beatles-Songs. Da ist er weniger wandelbar als ein David Bowie oder gar Mick Jagger, der in den 80ern zumindest dem New Wave wohlwollend gegenüberstand.

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Imperial Triumphant – Alphaville

(Quelle: Sony Music)

Das ist ein Brocken! Imperial Triumphant machen schon mit ihren Masken und Kutten auf sich aufmerksam. Genauso undurchsichtig, wie das Metall im Gesicht, ist aber auch der Sound der Band. Irgendwo zwischen Black Metal, Death Metal, Jazz und Avantgarde bewegt sich das Trio aus New York. Es gibt wenig melodische Momente, an denen man sich festhalten kann. Songstrukturen lassen sich auch keine erkennen. Und darin besteht der Reiz! Zwar erwischt man sich immer mal wieder beim Mitzählen der krummen Takte und erwischt nur mit Glück das richtige Metrum, doch was die Maskenmänner hier abziehen, ist im wahrsten Sinne des Wortes Wahnsinn.

Blast Beats, langsam-drückende Krawall-Passagen und zwischendrin Jazz mit Piano und Bläsern. Auf dem einstündigen Höllenritt “Alphaville” ist scheinbar alles möglich. Das braucht jedoch Zeit und ein paar Durchläufe mehr als Alanis Morissette. Selbst dem Großteil von Metal-Fans der härteren Gangart sollte das hier vielleicht schon eine Schüppe zu extrem sein, aber eine wahnwitzige Jazz-Metal-Nummer wie “Transmission to Mercury” sollte man zumindest gehört haben, denn Ende des Jahres wird diese LP in vielen Bestenlisten auftauchen.

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Apache 207 – Treppenhaus

(Quelle: Sony Music)

Von der “Platte” ins “Treppenhaus”: Es ist wohl eines der Deutschrap-Releases des Sommers, dieses “Treppenhaus” von Apache 207. Und vielleicht auch eines der besten Genre-Alben des Jahres. Mit seinem eher smoothen Sound und wenig Bling-Bling rappt Apache über sommerliche Beats. Behandelte Themen: Leben, Liebe, Ruhm und Probleme mit den Gesetzeshütern. “Boot”, “Sie ruft” und das eingängig-tanzbare “Fame” seien hier mal als Anspieltipps zu empfehlen. Das geht gut rein, klingt nicht zu prollig, aber cool genug, um Deutschlands Teenies zu beeindrucken. Auch ich wippe mit meinen 30 Lenzen mit dem Fuß mit.

Dennoch: Ein Pluspunkt der LP ist die kurze Spielzeit von 36 Minuten. Bei 37 Minuten Sommer-Vibes-Raffaelo-Werbung-Rap wäre das wohl zu wenig Abwechslung gewesen.

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Creeper – Sex, Death & the Infinite Void

(Quelle: Warner Music Group)

Creeper waren so um 2016 bis 2018 rum einer der großen UK-Rock-Hypes. Mit ihrem düster angehauchten Punk Rock, der sich viel bei “Sing the Sorrow”-AFI, Alkaline Trio und der Kultband Misfits abgeschaut hat, konnten sie sich eine große Fanbase erspielen. Mit Album Nummer zwei, welches den lebensbejahenden Titel “Sex, Death & the Infinite Void” legen die Düster-Punks wieder los. Und das klingt deutlich glatter, als noch auf dem recht kantigen, aber eingängigen Debüt.

Schon die erste Single “Born Cruel” deutete an, dass Album Nummer zwei etwas anders ausfallen wird. Glatter, aber dafür musikalischer und auch theatralischer. Scheinbar hat man sich den Emo-Klassiker “The Black Parade” von My Chemical Romance bei einigen Nummern zum Vorbild genommen. Demnach fallen einige der Songs etwas ruhiger aus. Die großen Momente können Creeper bei den flotten Nummern feiern. Während Fans von My Chemical Romance noch warten, ob die Reunion der Band auch neue Songs bedeutet, könnte Creeper die perfekte Alternative sein.

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Alcatrazz – Born Innocent

(Quelle: Oktober Promotion)

Er sang den wohl bekanntesten Rainbow-Hit “Since You Been Gone” an der Seite von Ex-Deep Purple-Gitarrist Richie Blackmore. Später sang er in der Michael Schenker Group auf deren Klassiker “Assault Attack”: Graham Bonnet. Auch mit seiner Band Alacatrazz, die Gitarrenwunder die Yngwie J. Malmsteen oder Steve Vai als Sprungbretter für ihre Karrieren dienten, konnte er Erfolge feiern. Doch da gab es seit 1986 nix neues mehr auf die Ohren.

Jetzt legt Bonnet mit “Born Innocent” nach. Und das klingt so, wie man die Band aus den 80ern kennt. Auf der Schneide zwischen melodischen Hard Rock und flinkem Heavy Metal. Besonders die Metal-Schlagseite hat zugenommen. Neu-Gitarrist Joe Stump wandert mit flinken Fingern über das Griffbrett, wie Yngwie Malmsteen in den 80ern. Passenderweise wird die Doublebass auch deutlich mehr durchgetreten, als man es von “No Parole From Rock’n’Roll” oder “Disturbing the Peace” gewohnt ist. Dafür klingt der gealterte Bonnet noch erstaunlich nach sich selbst. Einziger Wermutstropfen: 13 Songs in fast einer Stunde hätten es nicht sein müssen. Nur ein, zwei Songs weniger hätten das Album angenehm gestrafft, selbst wenn es keine Ausfälle gibt.

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NOFX vs. Frank Turner – West Coast vs. Wessex

(Quelle: Starkult Promotion)

Wow, dass das Format der Split-EP, also dass zwei Künstler sich den Platz auf einer LP oder CD (digital macht das ja nur wenig Sinn irgendwie) teilen, noch lebt, ist ein tolles Zeichen. Unvergessen sind Perlen wie Architects mit Dead Swans, Caliban mit Heaven Shall Burn oder Satyricon mit Enslaved – ja, das ist eher so ein Gitarrenmusikding und ist besonders bei Punk- und Hardcore-Bands beliebt.

Passenderweise geben sich die US-Polit-Pop-Punker NOFX mit dem britischen Folk-Punkrocker Frank Turner einen Schlagabtausch. Jeder covert Songs des anderen. NOFX kloppen so die sonst eher folkig angehauchten Nummern von Frank Turner durch. Der hingegen spielt fünf NOFX-Klassiker wie “Falling in Love” oder “Eat the Meek” in seinem gewohnten Stil mit dem er besonders in England ein paar goldene Schallplatten einheimsen konnte. Einen wirklichen Gewinner der Split mag man da aber nicht küren.

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Alle Alben sind am 31. Juli in digitaler sowie physischer Form erschienen. Haben Sie “Schon gehört” wer nächste Woche dabei sein wird? Unter anderem Deep Purple, die K-Pop-Helden BTS und Glass Animals und einige mehr. Wir hören uns wieder!

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