Trennungsschmerz? Zum Glück singt Adele von ihrem Liebesleben

t-online hat offene Ohren für die wichtigsten Alben der Woche und gibt Ihnen Musiktipps. Diesmal mit dem Comeback-Album von Adele. Wie viel Herzschmerz wird hier wohl verarbeitet?

Wenn Sie mal wieder richtig Lust auf neue Sounds haben, Ihnen aber die Zeit fehlt, sich durch die Veröffentlichungen der Woche zu hören, stimmt t-online Sie mit der Rubrik „Schon gehört?“ ein. 

Adele – 30

Sie hat ihre Karriere auf Herzschmerz aufgebaut. Mit Songs wie „Chasing Pavements“, „Rolling in the Deep“, der ultimativen Trennungshymne „Someone Like You“ oder „Hello“ wurde Adele schnell zu einer der erfolgreichsten Sängerinnen der Welt. Sozusagen Helene Fischer in international und traurig. Sechs Jahre nach „25“ erscheint jetzt das neue Album „30“ (klingt wohl besser als „31“) der mittlerweile 33-Jährigen. Es ist das erste Album seitdem sie selbst eine Trennung durchmachte. Nach acht Jahren Beziehung trennten sich Adele und ihr Ehemann Simon Konecki 2019. Es sollte ihr emotionalstes, ehrlichstes und intimstes Album werden. Doch wie viel Taschentücher braucht man bei diesen zwölf Songs wirklich?

Nun, zunächst bräuchte man eher ein Aufputschmittel. Der Opener „Strangers by Nature“ ist dermaßen langweilig. Besonders im Vergleich zu anderen Knaller-Einstiegen wie „Rolling in the Deep“ und „Hello“. Aber Adele mimt hier die 30er-Jahre-Grammophon-Diva und nichts will hängen bleiben. Fehlstart. Doch dann wird es schnell besser. „Easy On Me“ kennen wir ja schon dank Dauerschleife in Radio und Playlist.

Dann holt Adele zur großen Emo-Keule aus. In „My Little Love“ singt sie offen über ihren Sohn Angelo. Sie mache sich wegen der Trennung Vorwürfe, weil sie ihren kleinen Jungen enttäuscht haben könnte. Sogar kleine Gesprächsfetzen der beiden wurden aufgenommen.

In der ersten Voicenote fragt Adele ihren Sohn, ob er sie liebe. Er antwortet: „Ich liebe dich zu einer Million Prozent“. Süß! Aber Angelo ist unsicher, ob denn seine Mutter ihn liebe und fragt: „Ich habe das Gefühl, dass du mich nicht liebst“, fragt dann „Hast du mich wirklich gern?“ Hat sie. Und sie hat auch noch Ex-Mann Simon gerne. „Ich liebe deinen Vater, weil er mir dich gab. Du bist halb er und halb ich.“

Am Ende des Songs hört man nur noch Adele alleine einen kleinen Monolog halten. Sie weint, sie schnieft, stammelt dennoch ins Aufnahmegerät: „Ich habe das Gefühl, dass heute der erste Tag ist, seit ihn ihn verlassen habe, dass ich einsam bin. Dabei fühle ich mich sonst nie so. Eigentlich mag ich es alleine zu sein. […] Ich glaube, dass ich alles überkompensiert habe. Ich ging aus und habe Zeug gemacht, dass mich von ihm ablenkte.“

Und genau dieses „ablenken“ thematisiert die Single-Lady auch in „Oh My God“. Adele versprach ja ein intimes Album und in dem Song geht es um … , nun, Knick-Knack. „Boy, you give good love, I won’t lie“ bezieht sich wohl nicht nur auf eine Umarmung und Zuhören. „I know it’s wrong, but I want to have fun“, singt sie im Refrain ganz offen. Und sie gibt ihren Kritikern mit auf den Weg: „I am a grown woman and I do what I want to do“ („Ich bin eine erwachsene Frau und ich mache, was ich machen will“).

Ehrlichweise hätte ich nach der Trennung und der Neuausrichtung als alleinerziehende Mutter ein Album voller Balladen erwartet. Das kann die Britin ja, damit hat sie Millionen von Tonträgern verkauft. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: So unbekümmert klang Adele wohl nicht mal auf ihrem Debüt „19“. Ein bisschen Reggae bei „Cry Your Heart Out“, R’n’B-Sounds bei „Oh My God“, das flotte „Can I Get It“ hätte so auch auf „Back In Black“ von Amy Winehouse Platz finden können. Und ja, Balladen gibt es auch. „To Be Loved“ etwa. Oder das abschließende „Love is A Game“.

Nach 58 Minuten Adele bleibt zu sagen: Die Taschentücher wurden nicht angerührt. Adele ist traurig, aber nicht melodramatisch. Dafür war sie wohl zu beschäftigt, ihren Sound ein bisschen aufzupeppen. Aber eine Trennung ist ja auch immer eine Chance, sich neu zu definieren. Und diese hat Adele genutzt.

Blackmore’s Night – Winter Carols

Seit 15 Jahren ist „Winter Carols“ von Blackmore’s Night ein Klassiker der Weihnachts-CDs. Jetzt nicht wie „Christmas“ von Michael Bublé, aber in diversen deutschen Wohnzimmern sollte diese Platte vom ehemaligen Gitarristen von Deep Purple, Ritchie Blackmore, und seiner Frau Candice Night mittelalterliche Klänge während der Weihnachtsgans (oder der vegetarischen oder veganen Alternative) gesorgt haben.

Nun erhält das Album von 2006 ein Update. Mal wieder. Neu aufgelegt wurde „Winter Carols“ schon einige Male. In der ursprünglichen Version waren es mal zwölf festlich-besinnliche Tracks, mittlerweile haben sich auf zwei CDs 27 Lieder angesammelt. Auch wenn sich hier einige neue Kompositionen aus eigener wie fremder Feder befinden, bleibt das Album im Kern das gleiche. Es geht um Weihnachten und Tradition im Renaissance-Klanggewand. Wie immer gilt: Blackmore war bei Deep Purple und Rainbow besser aufgehoben, aber der Brite hat nun einmal keine große Lust mehr auf Hard Rock. Von der Neuauflage von Rainbow hört man ja – vielleicht Pandemie-bedingt – wenig. 

Oasis – Knebworth 1996

Es ist 1996. Nee, es geht nicht um diesen Ohrwurm, sondern „Wonderwall“, „Slide Away“ und „Don’t Look Back In Anger“. 25 Jahre nach einem der wohl größten Happenings des Britpop erscheint nun das berühmt-berüchtigte Konzert im englischen Knebworth. Schon vor Jahren wurde ein Livemitschnitt und Film immer mal wieder in Nebensätzen erwähnt. Nun ist es soweit und die mittlerweile schon lange aufgelösten Oasis halten ihr Wort und veröffentlichen „Knebworth 1996“, ein Livemitschnitt, nun, aus dem Dorf Knebworth von 1996. 

Und was will man mehr?! Es gibt eigentlich nur Hits der ersten beiden Alben „Definitly Maybe“ und „(What’s the Story) Morning Glory“. Dazu ein paar B-Seiten wie das geniale „Acquiesce“. Klar, „Wonderwall“ ist auch dabei. Mit Publikumsgesang, der die Band nahezu übertönt. Mehr geht nicht. Mehr Retro-Feeling, mehr Cool Britannia, mehr Liam Gallagher ist nicht möglich. Man hört diese 20 Songs auf zwei CDs, drei Vinyls und/oder DVD und wünscht sich, man wäre dabei gewesen. Oasis waren hier auf dem Höhepunkt, Blur konnten einpacken und die legendären Kollegen von Suede sowie Pulp kamen trotz großer Erfolge niemals in diese Sphären.

Heinz Rudolf Kunze  – Werdegang

Sein Werdegang war auch nicht immer leicht. Heinz Rudolf Kunze hat mit „Dein ist mein ganzen Herz“ deutsche Popgeschichte geschrieben, einen genauso unsterblichen Klassiker wie Nenas „99 Luftballons“, „Mensch“ oder „Bochum“ von Herbert Grönemeyer oder „Freiheit“ und „Sexy“ von Marius Müller-Westernhagen.

Nur war Kunze niemals dauerhaft in der ersten Reihe der Deutschrocker. Irgendwo zwischen Top 10 oder hintere Top 40 schwankten die Chartplatzierungen seiner Alben, während Grönemeyer die Fußballstadien des Landes vollmachte. Gut, dafür hat Kunze 36 Studioalben vorzuweisen. Da kann nicht alles auf Platz 1 landen. Sein Schaffen würdigt der Rockpoet nun mit „Werdegang“. 24 Neuaufnahmen alter Songs, die er nun mit eher jungen Produzenten neuvertont hat. Und ja, diese Werkschau zum 40. Karrieregeburtstag ist eindrucksvoll umgesetzt.

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„Dein ist mein ganzes Herz“ ist natürlich in einer absolut modernen Version genauso dabei wie „Alles was sie will“ oder „Leg nicht auf“. Aber wie so oft bei dieser Art Projekten: Das hört sich gut an, die Produktion ist schön und hat Wumms, aber am Ende fehlt immer der Charme des Originals, welches man so lieb gewonnen hat.

Alle Alben sind am 19. November 2021 in digitaler sowie physischer Form erschienen. Wir hören uns wieder!

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