Darum ist Kelly McGillis nicht in „Top Gun: Maverick“ dabei, Val Kilmer aber schon

Kelly McGillis wurde nicht gefragt, ob sie im „Top Gun“-Sequel mitspielen möchte

Darum ist Kelly McGillis nicht in „Top Gun: Maverick“ dabei, Val Kilmer aber schon

Von Mireilla Zirpins

Wer dachte, dass Navy-Ausbilderin Charlie Blackwood (Kelly McGillis) aus „Top Gun“ Pete „Maverick“ Mitchells Frau fürs Leben sei, wird in der Fortsetzung eines Besseren belehrt (unsere Filmkritik zu „Top Gun Maverick“ lesen Sie hier). Da ist der tollkühne Flieger Maverick wieder Single und versucht es, wenn er kuscheln will, auf seine alten Tage immer noch mit der gleichen Masche: mit jugendlichem Charme und Blendax-Lächeln. Angenehmerweise ist das das neue Love Interest kein Schönheit mit Schulmädchen-Charme, sondern eine schöne Frau um die 50 mit Teenager-Tochter. Aber eben nicht Kelly McGillis, die vielleicht der eine oder andere altgediente „Top Gun“-Fan gern wiedergesehen hätte. In den 1980ern träumten viele Jungs von einer (Flug)-Lehrerin mit solchen Nahtstrumpfhosen. Warum ist Kelly McGillis, anders als ihre damaligen Filmpartner Tom Cruise und Val Kilmer, nicht wieder mit dabei? Und was macht der „Top Gun“-Star heute?

Kelly McGillis fehlt in "Top Gun Maverick" – und Meg Ryan auch

Wir erinnern uns: 1986 baggerte Tom Cruise seine Ausbilderin Charlie erbarmungslos an – und die gab tatsächlich ob so viel jugendlich-charmanter Dreistigkeit nach und verliebte sich richtig in den Schwerenöter. Dann war es ein bisschen aus zwischen den beiden und wir spoilern hier sicher keinen, wenn wir daran erinnern, dass sie am Ende doch wieder auf seinem Motorrad mitfahren wollte und auch noch ein bisschen mehr. Und nun das: 36 Jahre später ist von Charlie nicht mehr die Rede, unser Held lebt wieder allein und setzt wieder diesen rolligen Blick auf wie damals in der Bar der Airbase. Und Kelly McGillis kommt in der Story gar nicht vor. Geht es ihr etwa wie anderen weiblichen Stars der 1980er, die in den Fortsetzungen nicht berücksichtigt wurden? Wir denken an Sean Young, die in „Blade Runner 2049“ keine Rolle bekam, sondern nur 30 Sekunden lang digital zurückgebracht wurde – und zwar so jung wie einst in „Blade Runner“.

Auch Meg Ryan, die 1986 in „Top Gun“ die Frau von Mavericks bestem Freund Goose spielte, ist im Sequel nicht dabei – immerhin wird die junge Meg aber in einer Rückblende kurz gezeigt. Ist es also eine Form von Ageism, von Altersdiskriminierung in der Traumfabrik, dass Kelly McGillis nicht erneut als Charlie besetzt wurde? Eine Äußerung von Kelly McGillis legt zumindest nahe, dass sie es so verstanden haben könnte: „Ich bin alt und fett und sehe meinem Alter entsprechend aus. Und das ist nicht, worum’s bei der ganzen Sache geht“, zitiert das US-Magazin „Entertainment Today“ die Schauspielerin. Eine Äußerung aus dem Jahr 2019, die sie zumindest mit einem Lachen getätigt haben soll.

Was wurde aus "Top Gun"-Star Kelly McGillis?

Interviews mit Kelly McGillis sind rar. Die mittlerweile 64-Jährige hat sich schon vor längerer Zeit aus dem Showbiz zurückgezogen. Ihren Durchbruch feierte sie 1985 an der Seite von Harrison Ford in „Der einzige Zeuge“. Bald folgte „Top Gun“ – der größte Erfolg ihrer Karriere. Lob gab’s auch für ihre Rolle als Staatsanwältin in „Angeklagt“ mit Jodie Foster im Jahr 1988. Jodie Foster spielt darin das Opfer einer Gruppenvergewaltigung. Kelly McGillis erinnerte das an ihr eigenes Trauma, wie sie 1988 dem „People“-Magazin erzählte: 1982, als Schauspielschülerin, wurde sie von zwei Männern ausgeraubt und vergewaltigt. Das schreckliche Erlebnis versuchte McGillis lange Zeit selbst mit Alkohol und Drogen zu bekämpfen. Erst 2009 gelang es ihr, ihre Abhängigkeit in den Griff zu bekommen.

McGillis übernahm in den 1990ern weniger prestigeträchtige Rollen in kleineren Filmen und zog sich dann weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Zeitweilig betrieb sie eine Bar in Key West, Florida. Seit 2011 arbeitet sie als Betreuerin von Alkohol- und Drogensüchtigen in einer Einrichtung in New Jersey. „Ich habe das Gefühl, das Potenzial zu haben, anderen auf eine Art helfen zu können, wie ich es mit der Schauspielerei nicht könnte“, sagte Kelly McGillis damals der Zeitung „The Oklahoman“. Aber Kelly McGillis ist auch immer wieder in Kinofilmen oder TV-Rollen zu sehen, wenn auch selten. Sie war bislang drei Mal verheiratet – zunächst mit Boyd Black und danach mit Fred Tillmann, mit dem sie zwei Kinder hat. 2010 ehelichte sie ihre Freundin Melanie Leis. Die beiden trennten sich 2013.

Mavericks neue Flamme ist um die 50 – und sieht scharf aus

Kelly McGillis wurde jedenfalls nicht gefragt, ob sie bei „Top Gun Maverick“ dabei sein möchte, wie sie „Entertainment Today“ berichtet. Und Regisseur Joseph Kosinski bestätigt das im Interview mit dem US-Magazin „Inside“: „Ich wollte nicht, dass die Story immer rückwärts schaut.“ Sein Plan sei es gewesen, neue Figuren einzuführen.

Mh, aber Val Kilmer (62), im ersten „Top Gun“-Film Tom Cruise’ Gegenspieler, darf ja auch noch mal zurückkehren als Iceman, übrigens auch ein bisschen weichgezeichnet! Bei allem Befremden über den Umgang mit Schauspielerinnen ab einem gewissen Alter muss man immerhin sagen, dass es storytechnisch Sinn macht, wie Joseph Kosinski den schwerkranken Schauspieler einbaut. Und es ist herzergreifend – genauso wie im Fall von Meg Ryans Rolle, auch wenn wir die heutige Meg nicht zu sehen bekommen. Wir wollen Sie hier nicht spoilern, denn „Top Gun Maverick“ ist absolut sehenswert.

Und Hand aufs Herz: Was hätten Sie über Maverick und Charlie heute gern auf der Leinwand erzählt bekommen? Wie er sie mit einer Jüngerem betrügt oder die beiden sich auf den Geist gehen? Es ist eigentlich sogar schön, dass er die Sache mit Charlie und Maverick im Vagen belässt, dass wir sie im Gedächtnis behalten als eine Love Story, die schön war, aber nun leider vorbei ist.

Lese-Tipp: Sie war kein Fan – damit hat Maverick unsere Filmkritikerin gekriegt

Und wir finden es ganz herrlich, dass Mavericks neues Objekt der Begierde ausgerechnet Penny Benjamin ist – auch wenn das natürlich streng genommen wieder eine Figur aus dem alten Film ist. Nur dass wir sie 1986 nie zu Gesicht bekommen haben. Penny war nur für zwei Dialogzeilen gut. Die aber hatten es in sich. Wir konnten uns aus ihnen zusammenreimen, dass zwischen ihr und Maverick mal was ging – und dass er vor wirklich nichts zurückschreckt. Für „Top Gun“-Fans ist es einfach herrlich, dass Joseph Kosinski hier das Geheimnis der „Admiralstochter“ lüftet. Offenbar gab’s da zwischenzeitlich immer mal wieder Sex mit der Ex. Und jetzt steht Penny, gespielt von der mittlerweile 51-jährigen Jennifer Connelly, in der Bar am Tresen, wo sich die „Top Gun“-Crew von heute trifft. Gut, sie entspricht mit ihrem schlanken Körper in knallengen Jeans eher dem Klischee, das Kelly McGillis mit ihrer Bemerkung meinte, aber immerhin ist sie keine blutjunge Soldatin. Und das ist schon mal eine ganze Menge für so einen Hollywood-Blockbuster.

(mzi mit Material von spot-on)

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