Kasia Lenhardt (†25): Ihre Mutter gibt das erste Interview nach ihrem Tod

Lange hat Kasias Mutter, Adrianna Lenhardt, 45, geschwiegen. Mit dem "SPIEGEL" spricht sie nun zum ersten Mal über den tragischen Tod ihrer Tochter.

Kasia Lenhardt liebte Jérôme Boateng

Kasia Lenhardt, †25, war in den letzten Jahren als "die Frau an Jérôme Boatengs" Seite bekannt. Zuvor belegte sie in der Castingshow "Germany's Next Topmodel" den vierten Platz, nahm an einer Sat.1-Kochshow teil und war in dem RTL-ZWEI-Format "Models im Babyglück" zu sehen. Lenhardt wurde mit 19 Jahren Mutter, zwei Jahre nach der Geburt ihres Sohnes trennte sie sich von ihrem langjährigen Freund. 

Im Dezember 2019 machten Boateng, 32, und Lenhardt ihre Beziehung mit einem verliebten Schnappschuss aus Dubai offiziell. Es folgte eine leidenschaftliche Partnerschaft voller Höhen und Tiefen, Rivalinnen und Schlagzeilen. Irgendwann überwogen die Tiefen. Am 2. Februar 2021 verkündete der Sportler das Liebes-Aus auf Instagram: "Wie aus den Medien bekannt ist, habe ich die Beziehung mit Kasia Lenhardt beendet." Nur wenige Minuten später erschien ein "Bild"-Artikel, in dem Boateng die Trennung bestätigte. Es sollte nicht sein letztes Interview mit der Boulevardzeitung gewesen sein. Die Anwälte von Jérôme Boateng haben auf Anfragen von "SPIEGEL" mit dem Hinweis auf die Privatsphäre des Sportlers geantwortet.

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"Die Beziehung habe ich beendet, aufgrund all deiner Lügen und dauernden Untreue aber das passt ja wieder ins Bild. Alles Gute!", antworte Kasia in ihrer Instagram-Story. Doch dabei sollte es nicht bleiben: Am Abend des 2. Februars wurde auf "Bild.de" ein Interview mit Boateng online gestellt, in dem er seiner Ex-Freundin schwerste Vorwürfe machte. Am 3. Februar war das Interview in 1,2 Millionen gedruckten "Bild"-Zeitungen zu lesen. Die Welle des Hasses, mit der Kasia Lenhardt daraufhin konfrontiert wurde, bezeichnet ihre Mutter heute als "eine moderne Hexenjagd".

„Kasia hat nur noch auf ihr Handy gestarrt. Tag und Nacht“

Wie Adrianna Lenhardt dem "SPIEGEL" erzählt, war ihre Tochter am Boden zerstört und verzweifelt. Erst eine Woche zuvor hatte sich Lenhardt gegenüber Boateng in einer Verschwiegenheitserklärung zum Schweigen verpflichtet. Kasia habe nichts mehr gegessen, nicht mehr geschlafen, sondern "hat nur noch auf ihr Handy gestarrt. Tag und Nacht", sagt Adrianna Lenhardt. Die beleidigenden und zutiefst betroffen machenden Nachrichten und Kommentare etlicher Instagram-User:innen nahmen kein Ende. Eines Nachts habe Kasias Herz "so heftig geschlagen, dass ich Angst hatte, es bleibt stehen."

In den Tagen danach übernachtete Kasia bei einer Freundin, sie habe ein schlechtes Gewissen gegenüber ihren Eltern gehabt und Angst, alle enttäuscht zu haben. Zusätzlich soll sie von einem Hacker erpresst worden sein. Drei Tage vor ihrem Tod erstattete sie deswegen noch Strafanzeige bei der Polizei. Und sie kontaktierte einen Medienanwalt. Adrianna Lenhardt erzählt im "SPIEGEL"-Interview, dass ihre Tochter danach ruhiger gewirkt habe.

„Tut mir leid, dass ich euch so enttäuscht habe“

Am 9. Februar wollte Kasia angeblich mit ihren Eltern den sechsten Geburtstag ihres Sohnes feiern. Vorher soll sie in Boatengs Wohnung anfangen haben zu packen, mittags habe sie ein Fotoshooting gehabt. Danach sollte den Berichten ihrer Mutter zufolge gefeiert werden. Am Vormittags telefonierte sie demnach noch mit ihrer Mutter, dabei wirkte die 25-Jährige ruhig. Nachmittags versuchte Adrianna mehrmals, ihre Tochter zu erreichen, doch sie ging nicht an ihr Telefon. Am frühen Abend fuhr sie schließlich mit ihrem Mann zu der Wohnung, in der sie ihre Tochter vermutete. Niemand öffnete. Irgendwann gelangte Adrianna auf die Terrasse vor dem Apartment und sah durch die halb heruntergelassenen Jalousien ihre leblose Tochter. Die letzte Nachricht von Kasia an ihre Mutter lautete: "Tut mir leid, dass ich euch so enttäuscht habe."

Ihre Leiche wurde danach zur Obduktion freigegeben. In dem abschließenden Bericht ist ein chronisch erhöhter Alkoholkonsum, ein seltener oder längere Zeit zurückliegender Kokainkonsum sowie eine gelegentliche bis regelmäßige Einnahme von Nitrazepam vermerkt. "Mein Kind hatte auch Fehler wie jeder Mensch", sagt Adrianna Lenhardt. Zum Todeszeitpunkt war Kasia laut des Berichts nicht alkoholisiert, nur das Schmerzmittel Ibuprofen wurde in ihrem Blut festgestellt.

Am 9. März wurde Kasia Lenhardt beigesetzt. Jérôme Boateng war nicht eingeladen. Seitdem setze sich Adrianna Lenhardt fast jeden Morgen mit einem Kaffee auf die Bank vor dem Grab und spreche mit ihrer Tochter. So wie früher. Und jeden Tag aufs Neue frage sie sich, ob Kasias Tod nicht verhindert werden konnte. "Ich konnte meine Tochter nicht vor dem Tod beschützen", weiß Adrianna Lenhardt. Jetzt gelte es, das Bild ihrer Tochter zurück in das richtige Licht zu rücken.

Information zu Hilfsangeboten

Sie haben suizidale Gedanken? Die Telefonseelsorge bietet Hilfe an. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0800/1110111 und 0800/1110222 erreichbar. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der „Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention“.

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