500 Patronen sichergestellt: Neue Details im Baldwin-Drama

Der tragische Unfall am Set des Westernfilms „Rust“ erschütterte vergangene Woche nicht nur die USA. Sechs Tage später nahmen die Behörden in Santa Fe erstmals öffentlich in einer Pressekonferenz zu den laufenden Ermittlungen Stellung.

Eine Entscheidung über eine mögliche Anklageerhebung werde aber erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Dies betreffe nicht nur Baldwin: „Zum jetzigen Zeitpunkt schließen wir niemanden aus“, betonte die Staatsanwältin. Gemeinsam mit dem zuständigen Sheriff Adan Mendoza sprach sie erstmals offiziell bei einer Pressekonferenz zu dem Fall und gab Einblicke in die Ermittlungen.

Scharfe Munition am Filmset

„Wir sind überzeugt, dass mit der Waffe von Alec Baldwin geschossen wurde“, sagte der Sheriff gleich zu Beginn der Pressekonferenz. „Wir gehen davon aus, dass dieses Projektil eine scharfe Patrone war.“ Am Boden habe man die entsprechende Hülse sichergestellt. Die Kugel, die Halyna Hutchins tötete, befand sich in der Schulter von Regisseur Joel Souza.

Halyna Hutchins: Die Kamerafrau wurde 42 Jahre alt. (Quelle: Sonia Recchia/Getty Images)

Mehr als 600 Beweise habe die Polizei sichergestellt, darunter etwa 500 Patronen und Waffenzubehör. Bei den Patronen soll es sich neben Dummies und Platzpatronen auch um scharfe Munition gehandelt haben. Wie die ans Set kam, wisse man noch nicht. „All die genannten Gegenstände und Beweismittel werden nun dem Labor des FBI in Virginia zur Analyse vorgestellt.“

Man werde nun alle Personen vernehmen, „die in Kontakt mit der Waffe waren, bevor sie an Alec Baldwin übergeben wurde“. „Wir müssen weitere Ermittlungen durchführen, bevor wir schlussendlich festhalten können, wir es zu diesem tragischen Vorfall gekommen ist“, so Mendoza.  

Noch zu früh für eine Anklage

Für eine mögliche Anklage sei es deshalb noch zu früh, so die Staatsanwältin. „Ich muss unterstreichen, dass eine vollständige und sorgfältige Ermittlung die Voraussetzung ist für alle weiteren Schritte unsere Staatsanwaltschaft und wir werden das alles nach dem New Mexico Gesetz durchführen“, sagte Mary Carmack-Altwies. „Wenn die Fakten und Beweismittel tatsächlich für eine Anklageerhebung ausreichen, dann werden wir das auch tun.“

Sie verlasse sich ausschließlich auf „Fakten, die von Beweismitteln gestützt werden“. „Es ist ein sehr komplexer Fall, der sehr viel Ermittlungsarbeiten bedeutet.“ Alec Baldwin zeige sich sehr kooperativ. 

Regieassistent räumt Fehler ein

Der Regieassistent hat unterdessen einen Fehler bei der Überprüfung der Requisitenwaffe eingeräumt. Dave Halls gab laut einem am Mittwoch veröffentlichten Vernehmungsprotokoll gegenüber der Polizei an, er habe nicht alle Kugeln in der Trommel des Revolvers kontrolliert. In der Waffe befand sich offenbar scharfe Munition: Kamerafrau Halyna Hutchins wurde nach Polizeiangaben durch ein „Bleiprojektil“ getötet.

Halls hatte Baldwin vor dem tödlichen Schuss vergangene Woche den Colt .45 gereicht und von einer kalten Waffe gesprochen. Gemeint ist damit eine Schusswaffe, in der sich keine scharfe Munition befindet und die deswegen sicher ist.

Der Regieassistent hatte die Waffe aber offenbar nicht ausreichend überprüft. „Er konnte sich nur daran erinnern, drei Kugeln gesehen zu haben“, schreibt ein Ermittler in dem bei Gericht vorgelegten Vernehmungsprotokoll. „Er sagte, dass er sie alle hätte überprüfen müssen, es aber nicht tat, und konnte sich nicht daran erinnern, ob sie (Waffenmeisterin Hannah Gutierrez-Reed) die Trommel drehte.“

Was war passiert?

Bei dem Vorfall während der Dreharbeiten zu dem Western „Rust“ auf einer Filmranch in New Mexico war die 42 Jahre alte Chef-Kamerafrau Halyna Hutchins tödlich verletzt worden. Hauptdarsteller Alec Baldwin hatte die Waffe bei der Probe für eine Szene abgefeuert.

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Regisseur Joel Souza war bei dem Zwischenfall an der Schulter verletzt worden, konnte das Krankenhaus aber wenig später wieder verlassen. Der 48-Jährige stand zum Zeitpunkt des tödlichen Vorfalls hinter der Kamerafrau. Die Dreharbeiten für den Western wurden ausgesetzt.

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