"Ein Super-Löwe": So denkt Maschmeyer über neuen TV-Rivalen

Durch Corona ist alles anders, auch bei TV-Shows wie “Die Höhle der Löwen”. Im Interview verrät Carsten Maschmeyer, was sich am Set geändert hat, gibt private Einblicke – und adelt einen neuen Konkurrenten.

Er zählt zu den Großen der Wirtschaft und seit er in der dritten Staffel “Die Höhle der Löwen” als Löwe dazukam, zählt Carsten Maschmeyer auch zu den Großen im TV. Am 31. August startet die neue Staffel der Start-up-Show. Kurz vor dem Startschuss stattet er t-online.de einen Besuch in der Berliner Redaktion ab.

Im Interview spricht er über die Corona-bedingten Veränderungen am Set der TV-Show, über den neuen Löwen Nico Rosberg, erzählt auch von seinem Privatleben mit Ehefrau Veronica Ferres und seinen Kindern. Im Video oben sehen Sie, wie sich Carsten Maschmeyer zwischen entweder oder entscheiden muss.

Carsten Maschmeyer: Ich vermute, dass nur die Hälfte der Menschen, die sonst am Set sind, da waren. Auch wir Löwen haben üblicherweise unser Team mit Investmentmanagern dabei, die sich nach einem Deal sofort mit den Gründern zusammensetzen und die nächsten Schritte besprechen. Dieses Mal durften wir insgesamt nur zwei Personen mitbringen. Auch das Team trug Maske und Handschuhe. Egal, ob wir im Schminkraum saßen oder ob es nur darum ging, ein Mikro anzubringen. Und alle paar Minuten hat jemand die Türklinken abgewischt.

Wie gingen Sie mit den Gründern um?

Auch mit ihnen mussten wir anders umgehen. Nach einem Deal möchte man eigentlich die Hände schütteln, aber das ging nicht. Da kam dann immer ein Zwischenruf “Carsten, denk dran, wir haben Corona. Mindestabstand!” Das war schon etwas fremd, weil wir Löwen kennen es seit vielen Jahren anders.

Wie hat sich das Miteinander unter den Löwen durch Corona verändert?

Die Tonspur war genauso herzlich wie immer. Aber wenn man einen Co-Deal gemacht hat, konnte man die Köpfe bei der Absprache nicht mehr so eng zusammenstecken wie früher. Es wurde sehr auf den Abstand geachtet.

Haben Sie Rituale abseits der Kamera, die durch die neuen Umstände nicht mehr machbar waren?

Ja, es gab leider keine Abschlussfeier wie in den Jahren davor. Normalerweise feiern wir den letzten Drehtag mit dem gesamten Team. Es gab mit sehr viel Abstand für jeden ein Sektglas oder ein Bier.

Was haben Sie vor Corona nach einem Drehtag gemacht?

Wenn ich einen Deal gemacht habe und die Gründer können den Abend noch in der Stadt bleiben, dann gehe ich gerne mit ihnen etwas essen. Alle haben nach einem anstrengenden Drehtag Hunger und dann kann man dabei gleich Weiteres bereden. Wenn ich keinen Deal gemacht habe, dann gehe ich meist mit meinem Team in ein Restaurant. Aber das war dieses Mal alles so nicht möglich.

Haben bestimmte Ideen durch Corona profitiert?

Nach dem Drehstopp war es schon so, dass bestimmte Ideen ganz anders bewertet wurden. Einige Ideen hätte ich ein paar Wochen eher gemacht, aber unter den neuen Umständen nicht mehr. Die Gründer konnten sich in der fünfwöchigen Drehpause keine neuen Geschäftsmodelle ausdenken. Es gab auch Corona-bedingte Absagen.

Mit Nico Rosberg haben Sie einen neuen Löwen auf dem Stuhl. Ist er ein würdiger Nachfolger für Frank Thelen?

Nico ist ein Kämpfer und ein Gewinnertyp. Der hat uns keinen Vortritt gelassen. Wir haben ihm allerdings auch keinen Welpenschutz gewährt. Es war sehr anständig von Frank, dass er, als er in der Sendung keine Deals mehr gemacht hat, konsequenterweise ausgestiegen ist. Natürlich hat er die Show gerade zu Beginn mit groß gemacht. Nico ist nicht nur einer der schnellsten Rennfahrer der Welt, sondern auch schnell im Kopf. Er hat eine schnelle Auffassungsgabe, kann gut Fragen stellen oder Offerten machen. Was ihm geholfen hat, ist, dass er mehr als die meisten Löwen schon vorher in Startups investiert hat. Ich finde es toll, dass es ihm nicht nur ums Geld geht, sondern er möchte etwas verändern. Ihm ist Nachhaltigkeit und Mobilität wichtig. Er ist ein Super-Löwe.

Wie wichtig ist bei Ihrer Entscheidung, ob Sie irgendwo einsteigen wollen, der Mensch, der die Idee hat? Würden Sie auch in eine gute Idee investieren, wenn der Gründer Ihnen eher unsympathisch ist?

Sympathisch oder unsympathisch ist gar nicht so entscheidend. Wichtiger ist, ob das Gründerteam komplementär ist, sind sie selbstreflektierend, sind sie offen für Beratung, können sie kämpfen und Kunden begeistern? Wenn ich vor der Wahl stünde: First-Class-Team mit einer schlechteren Idee oder ein First-Class-Produkt mit einem schlechteren Team, dann würde ich immer Person vor Produkt nehmen. Denn gute Gründer machen auch ein mittelmäßiges Produkt gut. Weniger starke Gründer verlieren oft auch schnell ihren Innovationsvorsprung, weil sie keine guten Mitarbeiter bekommen. Deswegen sind gute Gründer umso wichtiger, je frühphasiger das Unternehmen ist.

Wie gehen Sie denn damit um, wenn Sie von jemand anderem überboten werden? Ärgert Sie das? Diskutiert man das nachher noch aus?

Ich habe kein Problem damit überboten zu werden, weil ich ja selbst Einfluss darauf habe. Ich kann also mitbieten oder aussteigen, wie ich es für mich ausgerechnet habe. Wenn man das Gleiche bietet und die Gründer entscheiden sich für die Kollegen, dann ist man in dem Moment natürlich nicht begeistert. Aber das ist bei mir schnell weg und ich analysiere, welche Hilfe und Unterstützung diese Gründer brauchten. Und dann ist es für mich okay, wenn sie sich einen anderen ausgesucht haben, der ihrer Meinung nach besser zu ihnen passt. Ich schaue nur nach vorne und kann mich unter Umständen am nächsten Tag gar nicht mehr daran erinnern, welche Pitches am Vortag waren. Ich lösche das.

Veronica Ferres und Carsten Maschmeyer. (Quelle: imago images / Sven Simon)

Rufen Sie nach jedem Drehtag Ihre Frau Veronica Ferres oder Familie an und erzählen von den Gründern?

Ja, meine Frau und ich haben es schon immer so gehalten, dass wir – wenn wir nicht in der gleichen Stadt oder dem gleichen Hotel sind – über unseren Tag berichten. Das ist für sie ein Einschlafritual. Nicht, weil sie einschläft, wenn ich rede (lacht). Sondern weil es für sie eine Art Aufräumen mit dem Tag ist.

Schauen Sie sich denn die Sendung an? Auch unter dem Aspekt, wie Sie im TV rüberkommen?

Ich schaue mir die Höhle nicht mehr unter dem Gesichtspunkt an, wie ich im Fernsehen rüberkomme. Aber ich will sehen, wie die Pitches dann im Nachgang geschnitten wurden. Was die Zuschauer auch oft nicht wissen ist, dass die Verhandlungen natürlich viel länger dauern als das, was man in der Sendung dann zusammengeschnitten sieht.

Schauen Sie die Sendung oft als Familie?

Wenn alle da sind und Zeit haben, schauen wir das schon zusammen. Meine Frau hat viele Abendveranstaltungen und ist daher auch mal später unterwegs. Wenn ich nach den Drehtagen nach Hause komme und davon erzähle, was passiert ist, kriege ich oft ungläubige Blicke. Meine Frau und unsere Tochter in München bewerten die Gründer-Ideen oft anders als ich. Außerdem haben Veronica und Lilly durch ihre Fernseherfahrung einen anderen Blick und sagen mir schon, was ich noch besser machen könnte. Mein jüngerer Sohn Maurice, der auch in der Startup-Szene tätig ist, schaut das noch einmal unter anderen Gesichtspunkten und diskutiert mit mir die Gründer-Ideen.

Sie kommen aus der Wirtschaft und waren lange als Investor bekannt. Jetzt sitzen Sie seit einigen Jahren in einer der beliebtesten Sendungen des Landes. Ist es für Sie merkwürdig, dass Sie jetzt auch ein TV-Star sind?

Ja. Die Fernsehrolle ist schon etwas ungewohnt. Wobei ich das alles durch meine beiden Damen kenne. Meine Frau ist ja viel im TV und die Tochter sammelt auch erste Erfahrungen. Meine Frau und ich müssen oft schmunzeln, wenn nette Leute auf uns zukommen und fragen, ob sie ein Selfie mit uns machen könnten. Wir schauen uns dann an und fragen “Wer ist jetzt gemeint?” (lacht)

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Wer ist denn öfters gemeint? Sie oder Ihre Frau?

Wir machen keinen Wettbewerb daraus. Mal ist das so, mal so. Wir waren neulich bei 100 Jahre “Jedermann” in Salzburg. Veronica stand dort drei Jahre auf der Theaterbühne und war deswegen natürlich im Fokus, da ging es also fast nur um sie.

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