"Guidos Wedding Race": Mit Linda de Mol kann es Kretschmer nicht aufnehmen

Er hat im TV schon geshoppt, umgestylt und dekoriert. In seiner neuen VOX-Show lässt Guido Maria Kretschmer heiratswillige Paare um eine Traumhochzeit in seiner Anwesenheit buhlen, was leider recht langweilig anzuschauen ist.

Eine Kritikvon Felix Reek

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Es ist schon ein Phänomen, was der Modeschöpfer Guido Mario Kretschmer für eine Fernsehkarriere hingelegt hat. „Shopping Queen“, „Promi Shopping Queen“, „Hotter Than My Daughter“, „Geschickt eingefädelt“, „Guidos Masterclass“, „Guidos Deko Queen“ – RTL und VOX haben um den Designer herum ein ganzes TV-Imperium geschaffen.

Das Geheimnis dieses Erfolgs dürfte sein: Kretschmer schafft es, jeder Frau ein gutes Gefühl zu geben. Wer ihn vor der Kamera trifft, der strahlt und es geht ihm ein wenig besser als vorher. Das ist etwas, was die wenigstens hauptberuflichen Moderatoren schaffen.

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Da fehlte eigentlich nur noch eine Hochzeits-Show – die Haussender VOX Guido Maria Kretschmer nun in zwei Folgen jeweils am Sonntag abendfüllend spendiert. Damit jeder weiß, um wen es darin wirklich geht, trägt sie wie viele seiner Shows seinen Namen – der Designer ist schließlich mittlerweile vor allem seine eigene Marke.

In „Guidos Wedding Race“ treten drei Paare gegeneinander an und müssen Spiele absolvieren. Gewinner ist, wer am Ende die fünf Strophen eines Liebesgedichts am schnellsten fehlerfrei aufsagen kann. Klingt wie – genau – „Traumhochzeit“ mit Linda de Mol.

Zwischen 1992 und 2000 moderierte die Holländerin die Show auf RTL und machte sie zu einem der erfolgreichsten Formate des Jahrzehnts. Zum großen Vorbild fehlt „Guidos Wedding Race“ aber einiges. Da wäre zum einen das Publikum – zum anderen so etwas wie ein roter Faden oder Spannung, die durch den Abend trägt.

Heiraten im „Shopping Queen“-Stil

„Guidos Wedding Race“ bietet wenig Neues. Es gibt wieder ein Auto, in dem die Kandidaten sitzen und Nachrichten von Kretschmer empfangen mit Aufgaben, die sie erfüllen sollen. Gleichzeitig kommentiert der Modeschöpfer das Gesehene wie in „Shopping Queen“. Was zum Teil seltsam wirkt, weil Kretschmer meist in den Szenen selbst mitwirkt und so ein doppelter Guido zu sehen ist. Hinzu kommt viel gut zureden, loben und schmeicheln. Bei Kretschmer soll sich jeder wohlfühlen.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum „Guidos Wedding Race“ nicht wirklich zünden will. Das ist alles viel zu nett. Natürlich soll sich kein Paar wegen der eigenen Hochzeit in die Haare kriegen, aber ein wenig mehr Ehrgeiz zu gewinnen würde in einer Fernsehshow nicht schaden. Dass die Paare diesen kaum entwickeln, dürfte auch daran liegen, dass sie sich in der Show bis auf wenige Ausnahmen gar nicht begegnen. Die meiste Zeit sind sie auf sich selbst gestellt.

Selbst der Heiratsantrag bleibt farblos

Nathalie und Ramon zum Beispiel machen im Freibad, in dem sie sich kennenlernten, Arschbomben, bis sie einen Zylinder mit Wasser gefüllt haben. Kim und Lorena, das selbsternannte „Team Vulva“, errät als Fangesänge getarnte Popsongs (oder auch nicht) und Maria und Stefan stürmen an jeweils einem Bein zusammengebunden den Hang einer Skisprungschanze hinauf. Dazwischen suchen die Paare Ringe aus, die Kretschmer für sie designt, sie shoppen Brautkleider und die Mütter verdrücken ein paar Tränen.

Tolle Geschenke zum Hochzeitstag für sie und ihn

Bis die Paare wirklich aufeinandertreffen, dauert es 100 Minuten – ohne Werbung, wohlgemerkt. Sie müssen den Hochzeitstisch decken, der aber nur zwei Beine hat und mit zwei Seilen in der Horizontalen gehalten werden muss. Das klingt spektakulärer, als es aussieht.

Vielleicht fehlt an dieser Stelle aber wirklich ein Publikum, das die Paare anfeuert. Selbst der obligatorische Heiratsantrag, der in einer solchen Sendung nicht fehlen darf, bleibt farblos. Der Schweizer Stefan hat seine Maria noch gar nicht gefragt, ob sie mit ihm vor den Altar treten will. Getreu dem Motto: erst Fernsehen, dann fragen. Glücklicherweise sagt sie „Ja“.

Guido Maria Kretschmer macht einen auf Standesbeamten

Höhepunkt von „Guidos Wedding Race“ ist im Finale das Rezitieren der fünf Strophen eines Gedichts, was den Paaren sichtlich schwerfällt. „Wir kennen uns schon lang.“ „Fuck!“ „Noch mehr Glück kann es nicht geben.“ „Fuck, ey!“ Am Ende braucht das Gewinnerpaar Maria und Stefan 20 Minuten, um die fünf Strophen aufzusagen.

Fehlt nur noch die Hochzeit. Hollywood-mäßig heiraten die beiden am Strand, es gibt kleine Reden, warum der andere der Traumpartner ist, Tränen fließen, erst beim Bräutigam, dann bei der Braut, es folgen Guido Maria Kretschmer und der Rest der Gäste. Wie einst bei Linda de Mols „Traumhochzeit“.

Einen Unterschied gibt es aber doch: Die traute die Paare nicht selbst. In „Guidos Wedding Race“ übernimmt das der Designer. Dass das in Deutschland nur Standesbeamte dürfen und die TV-Hochzeiten damit gar nicht rechtskräftig sind? Egal. Ist schließlich nur Wohlfühlfernsehen.

Guido Maria Kretschmer teilt auf Instagram seltenes Pärchenbild

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