Kino-Kritik: Deshalb ist “Joker” der Film des Jahres 2019

"Joker" erzählt, wie aus einem psychisch angeschlagenen Mann ein zynischer Mörder wird. Mit intelligenten, provokanten, aktuellen gesellschaftlichen Bezügen und Fragen ist das Thrillerdrama ein Meisterwerk – und Joaquin Phoenix der Oscar quasi sicher. 

Im fahlen Licht, das die herbstliche Straßenschlucht durch schmuddelige Fenster hereinlässt, sitzt Arthur Fleck am Schminktisch. Das Büro der Künstleragentur wirkt wie übriggeblieben aus einem desillusionierten Krimi der Schwarzen Serie: die Zeit, als "Batman" vor genau 80 Jahren in den Ausläufern der Weltwirtschaftskrise und Verelendung in Gotham City begann, für zweifelhafte Ordnung zu sorgen. 

"Joker": Wie der eigentlich liebe Kerl zum gewaltvollen Zyniker wird

Arthur setzt vor dem Spiegel die Clownsschminke ab und zieht mit dem roten Zeigefinger die Mundwinkel im roten Lachmund nach oben zur lachenden Fratze, entblößt den Kiefer mit seinen Zahnreihen, so dass fast eine totenschädelhafte Fratze entsteht. Dass Clowns oft etwas Grauenhaftes haben können, damit spielen viele Kunstwerke – bishin zu Steven Kings "Es".

Hier aber spielt noch Tieferes mit: Es ist die Tragik eines eigentlich lieben Kerls, der zum gewaltvollen Zyniker wird. Es ist die unbequeme Frage nach der Entstehung des Bösen – und damit auch die Frage an uns, was wir und unsere Gesellschaft damit zu tun haben. 

"Joker": Wenn das wahnsinnige Lachen fast ein Heulen ist

Nur vordergründig ist die Idee des Films nicht sonderlich originell: Aus einer ewig erfolgreichen, zig Mal filmisch ausgeschlachteten Comic-Vorlage ist jetzt der Antiheld zu Batman, der teuflische Joker, ausgekoppelt. Cesar Romero, Jack Nicholson, Heath Ledger – sie alle haben schon den Joker gespielt. Einer aber lacht jetzt alle anderen quälend aus unserer Erinnerung: Joaquin Phoenix, der hier ausgemergelt und geschunden zum Schmerzensmann wird.

Sein Lachen ist manchmal anfallartig wahnsinnig, oft dabei fast ein Heulen, es ist irrsinnig verzweifelt und endet in einem lachenden Triumphgeheul in den Wirren eines Straßenkampfes, der zu einem revolutionären Bürgerkrieg werden könnte. 

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