"RTL könnte auch Günther Jauch ins Dschungelcamp holen"

Das Dschungelcamp ist das größte TV-Ereignis, was RTL zu bieten hat. Das sagt Helmut Thoma, ehemaliger Chef des Senders. Doch seiner Ansicht nach müsste viel mehr Geld in die Show gesteckt werden.

Zwölf Namen und nur vier sind ihm bekannt. Die Quote werde immer schlechter, so Helmut Thoma, einstiger, berüchtigter RTL-Chef. Das Dschungelcamp und die großen Stars, das war einmal. Der 83-Jährige sieht das Flaggschiff des deutschen Unterhaltungsfernsehens in schwerer See. Doch so richtig könne er das nicht verstehen, denn es sei alles nur „eine Frage des Geldes“. 

„RTL könnte auch Günther Jauch oder Thomas Gottschalk ins Dschungelcamp holen. Es ist alles eine Frage des Geldes. Nur scheint man in Köln offenbar nicht bereit zu sein, ins Risiko zu gehen“, vertritt Thoma im Gespräch mit t-online eine klare Meinung. Ob diese tatsächlich bereit wären, für eine hohe Geldsumme Peinlichkeiten und Ekel-Essen über sich ergehen zu lassen, steht wahrlich auf einem anderen Blatt Papier. 

Das neue Camp in Südafrika: Statt des australischen Dschungels werden die Zuschauerinnen und Zuschauer dieses Jahr Neues zu sehen bekommen. (Quelle: RTL)

Der Kölner Privatsender mache laut Thoma „einen entscheidenden Fehler“. Beim Dschungelcamp werde „an der falschen Stelle gespart“. „Natürlich ist es richtig, wegen der Corona-Pandemie nach Südafrika zu gehen. Die ganze Welt hat gesehen, wie strikt Australien bei dem Thema war, als Nowak Djokovic nicht einreisen durfte. Aber anstatt nach einer enttäuschenden Ersatzshow im Jahr 2021 nun aus dem Vollen zu schöpfen, wurden kaum Stars engagiert.“

„Dass RTL mit dem Dschungelcamp Geld verdient, bezweifle ich“

Thoma wird deutlich: „Das ist schon seit Jahren so: Der Sender kann das Dschungelcamp nicht mehr über die Namen vermarkten – denn keiner mit Rang und Namen lässt sich für ein paar lausige Hunderttausend rund um die Uhr filmen und frisst dann auch noch Ungeziefer.“

Dabei sei „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ zwar ohne Zweifel die größte Show, die RTL noch im Programmangebot habe. Doch Helmut Thoma ist sich dennoch unsicher, ob das für den Sender wirklich ein lukratives Geschäft sei. „Dass RTL mit dem Dschungelcamp Geld verdient, bezweifle ich. Und wenn dann sind die Erlöse nicht sehr groß.“ Allein die Lizenzen für das Format seien „enorm teuer“ und der Wechsel nach Südafrika führe auch nicht dazu, die „Produktionskosten gering zu halten“.

Eric Stehfest, Linda Nobat, Janina Youssefian, Filip Pavlović, Jasmin Herren, Lucas Cordalis, Tara Tabitha, Peter Althof, Harald Glööckler, Anouschka Renzi, Manuel Flickinger und Tina Ruland (von oben links): Sie sollten in Kürze ins Dschungelcamp einziehen. (Quelle: RTL)

Insgesamt soll das Format in Australien alljährlich 30 Millionen Euro an Kosten verschlungen haben: für rund 400 Mitarbeiter vor Ort und eine 14-tägige Rund-um-die-Uhr-Produktion. „Bei ‚Ich bin ein Star – Holt mich hier raus‘ geht es für RTL um etwas ganz anderes: die letzte Rettung. Denn seien wir mal ehrlich? Was hat RTL denn noch für große Shows? Seit Dieter Bohlens Abgang ist wenig geblieben von der einstigen Strahlkraft des Senders. Das Dschungelcamp ist das einzige zuverlässige Zugpferd, das RTL noch im Stall hat“, poltert Thoma gegen seinen Ex-Sender.

Dabei sind die Geldsummen, die für die Werbeclips während des Dschungelcamps gezahlt werden, offenbar alles andere als klein. Mehr als 100.000 Euro kostete ein 30-Sekunden-Clip laut RTL-Vermarkter IP Deutschland im Jahr 2020, als die Show zuletzt aus Australien zu sehen war. Nach Berechnungen des Beratungsunternehmens Ebiquity beliefen sich die Werbeeinnahmen im selben Jahr auf insgesamt 37 Millionen Euro.

Dschungelcamp? „Ich schaue mir das nicht an, nicht meine Welt“

Thoma stellt angesichts dieser Zahlen klar, wie entscheidend die Show für das bevorstehende Geschäftsjahr ist: „Das Dschungelcamp stellt die Weichen für RTL und wird zum Gradmesser: Denn zum Jahresbeginn stehen die Kalkulationen an und die Werbeträger achten sehr genau darauf, wie gut die TV-Quoten bei RTL noch sind. Entsprechend werden Buchungen für die Zukunft vorgenommen – oder nicht.“

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Insofern wird sich die Kölner Chefetage von diesem Freitag an sehr genau mit den Zuschauerzahlen befassen und hoffen, dass der Wechsel nach Südafrika dazu führt, dass das Interesse beim Publikum für das Dschungelcamp wiedererwacht. Die „Dschungelshow“ aus Hürth, die RTL 2021 Pandemie-bedingt produzierte, begeisterte jedenfalls kaum – und lieferte enttäuschende Fernsehquoten.

Nur mit einem Zuschauer dürfen RTL-Chef Henning Tewes und Co. nicht rechnen. „Ich schaue mir das nicht an, nicht meine Welt“, so Helmut Thoma, der allerdings anfügt: „Aber viele Deutsche lieben das Dschungelcamp: Diese direkte, einfache Art des Humors scheint ihnen zu schmecken.“ 

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