Sex und Sklaven – dieser "Tatort" hält nicht, was er verspricht

Was haben Sklaven in Katar mit Sex unter der Dusche zu tun? Der “Tatort” aus Köln versucht Zusammenhänge herzustellen, wo es keine gibt. Die ARD wiederholt diesen Fall von 2018 am Pfingstsonntag.

Bereits 70 Mal haben die Kölner Tatort Kommissare Max Ballauf und Alfred Schenk bereits zusammen Fälle gelöst. Im neusten Tatort: Bausünden sind Ermittlungstaktik und Fingerspitzengefühl gefragt. Alles beginnt mit dem Tod einer jungen Hotelangestellten. In dem klassische gestrickten Krimi begeben sich die beiden Kommissare nun auf die Suche nach dem Mörder. Sind die Anrufe einer Frau kurz vor dem Tod der Hotelangestellten die heisse Spur? Aber die Anruferin ist unauffindbar und welche Rolle spielt der Ehemann der Anruferin, der seine Frau offenbar verzweifelt sucht.

  • 2 von 5 Punkten 
  • Routiniertes Team trifft auf ein unterdurchschnittliches Drehbuch. Da kann nichts Gutes bei rauskommen.

Worum geht’s?

Gleich zu Beginn geht’s zur Sache. Durch die beschlagene Scheibe einer Duschkabine zeigt die Kamera ein Paar unter der Dusche. Das dazu romantisch röhrende Saxofon passt so gar nicht zu dem Sex, der dort in einer überharten Gangart vollzogen wird. Und offenbar eine Spur zu hart wird: Die Frau bricht blutend zusammen. In der nächsten Szene wird die Leiche der Hotelangestellten Marion Faust gefunden. Die hatte vor ihrem Tod mehrere Nachrichten auf dem Anrufbeantworter von Susanne Baumann hinterlassen. Doch die ist inzwischen verschwunden, ihr Mann Lars (Hanno Koffler) sucht sie verzweifelt. Dabei müsste er eigentlich in Katar sein, wo er eine Baustelle für die Fußball-WM 2022 beaufsichtigen soll. Irgendwie scheint alles mit allem zusammenzuhängen in diesem “Tatort”. Den Ermittlern fällt es sichtlich schwer, diesen Fall zu durchschauen. 

Musik, Buch, Film

Eine Realsatire über eine Weltraumstreitmacht und ein Klassiker von Roald Dahl – die Kulturtipps der Woche

Warum lohnt sich dieser “Tatort”?

Seit mehr als 20 Jahren ermittelt das Duo Ballauf und Schenk in Köln. Eigentlich müsste man die Stadt inzwischen aus allen Perspektiven gesehen habe. Doch tatsächlich zaubert der aktuelle Fall (Kamera: Daniel Koppelkamm) ein paar ungesehene, spektakuläre Rhein-Impressionen auf den Bildschirm. Zudem sind die Schauplätze gut gewählt. Visuell ist dieser “Tatort” ein Genuss.

Was nervt?

“Ich hab noch nicht einen einzigen Sklaven in Katar gesehen”, sagte Franz Beckenbauer in einem umstrittenen Statement zur Fußball-WM 2022. Im “Tatort” sieht man auch keinen. Was ja grundsätzlich kein Problem ist. Doch die aktuelle Folge “Bausünden” verspricht, ein ganz großes Fass aufzumachen: Schon im Titel suggeriert dieser Fall, es gehe um Korruption, Ausbeutung und schmutzige Machenschaften in der Baubranche. Doch nichts davon hält dieser Krimi (Buch: Uwe Erichsen, Wolfgang Wysocki; Regie: Kaspar Heidelbach) ein. Die Existenz von Sklavenarbeitern wird kurz angesprochen, jedoch nicht weiter thematisiert. Vor allem haben die Bauarbeiten in Katar nicht das Geringste mit dem Mordfall zu tun. Hier wird nur zum Schein Relevanz vorgegaukelt. Es wabern Vorwürfe durch den Raum. Es wird ein diffuses Gefühl erzeugt, es gehe in Katar nicht mit rechten Dingen zu. Aufgeklärt wird aber nichts. An diesem Fall werden Verschwörungstheoretiker ihre Freude haben. Immerhin erfährt der Zuschauer am Schluss, was mit der Frau unter der Dusche passiert ist. Zumindest die Sexualaufklärung funktioniert also noch in diesem “Tatort”.

Die Kommissare?

Während sich Ballauf und Schenk in früheren Folgen angezickt haben wie ein altes Ehepaar, ist in ihrer Beziehung inzwischen Ruhe eingekehrt, die beiden machen einfach nur ihre Arbeit. Was nicht das Schlechteste sein muss. In diesem Fall aber die Schwächen des Drehbuchs nur umso deutlicher offenbart.

Ein- oder Ausschalten?

Es ist Pfingsten, da können Sie ruhig mal einen Abend mit der Familie verbringen. Wenn Sie schon “Tatort” gucken wollen, warten Sie bis morgen: Am Pfingstmontag gibt es einen neuen Fall aus Weimar.

Die “Tatort”-Folge “Bausünden” wurde erstmals am 21. Januar 2018 ausgestrahlt.

Die Kommissare Ballauf und Schenk ermittelten auch in diesen Fällen

  • Bepöbelt, beleidigt, angefeindet: Dieser “Tatort” zeigt das Leid von Mobbingopfern
  • Diskriminierung und Rache: die Polizei als Opfer und Täter
  • Warum der Jubiläums-“Tatort” von Ballauf und Schenk enttäuscht

Quelle: Lesen Sie Vollen Artikel